Göttingen. Zwei Jahre nach dem Brandanschlag im Göttinger Kreishaus, bei dem ein 25-jähriger Mitarbeiter der Ausländerbehörde verletzt wurde, hat es erstmals ein Bekennerschreiben zu der Tat gegeben.
In einem am Dienstag auf einer linksradikalen Internet-Plattform verbreiteten „Kommuniqué“ bekennt sich eine Sektion Göttingen der „Revolutionären Zellen“ (RAZ) sowohl zu dem Anschlag im Kreishaus als auch zu dem im Dezember 2011 verübten Brandanschlag am Göttinger Amts- und Landgericht.
Die Polizei prüft, ob das vermeintliche Bekennerschreiben als echt einzustufen ist. Eine abschließende Bewertung liege noch nicht vor, teilte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz am Mittwoch mit.
Die militante Gruppe „Revolutionäre Aktionszellen“, die von der Bundesanwaltschaft als kriminelle Vereinigung eingestuft wird, war bisher hauptsächlich in Berlin aktiv. In Göttingen ist sie bisher nicht in Erscheinung getreten. Einen ersten Hinweis gab es bei dem Brandanschlag auf das Göttinger Landgericht, bei dem ein Schaden von mehreren zehntausend Euro entstand. Die Täter hatten vor dem Gerichtseingang mehrere Gaskartuschen entzündet und an einen Pfeiler die Buchstaben „RAZ“ gesprüht.
In dem vermeintlichen Bekennerschreiben fällt auf, dass die angeblich in Göttingen gegründete „Zelle“ anders als die bislang bekannten Gruppierungen keinen speziellen Namen hat.
Sollte das Schreiben echt sein, erscheinen zwei Aspekte bemerkenswert: Erstmals wird eingeräumt, dass der Brand im Kreishaus im Januar 2010 ein politisch motivierter Anschlag war. Dies hatten nicht nur Sympathisanten der linksautonomen Szene in Zweifel gezogen.
Zum anderen wird eingeräumt, dass der Anschlag im Kreishaus innerhalb der Szene auf heftige Kritik gestoßen ist. Dies ist nach Angaben der Verfasser auch der Grund, warum sich bislang niemand zu der Tat bekannt habe. Sie aber hätten sich nun den „Revolutionären Aktionszellen“ angeschlossen und den Brandanschlag auf das Göttinger Gerichtsgebäude verübt.
Der Brandanschlag im Kreishaus hatte heftige Diskussionen in der Szene ausgelöst, weil es das erste Mal war, dass bei einem vermutlich politisch motivierten Anschlag in Göttingen ein Mensch verletzt wurde. Die Verfasser des angeblichen Bekennerschreibens merken dazu an, dass „außer durch übermut einzelner ausländerbehördenmitarbeiter“ keine Menschenleben gefährdet gewesen seien.
Von Heidi Niemann



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