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Nach der Explosion ein Zehn-Zentner-Bombe in Göttingen mit drei Toten ist die Ursache des tragischen Unglücks noch unklar. Bei den Ermittlungen steht der Zünder der Bombe im Mittelpunkt. Laut niedersächsischem Innenministerium war sie mit einem als besonders gefährlich geltenden Säure-Langzeitzünder ausgestattet.
Auch einen Tag nach der Detonation einer Fliegerbombe auf dem Göttinger Schützenplatz bleibt der Sicherheitskreis von 300 Metern erhalten. Die Anwohner können vorerst nicht in ihre Häuser zurückkehren.
Nach Angaben von Stadtrat Hans-Peter Suermann gibt es auf dem Schützenplatz weitere "Verdachtsflächen", an denen sich Bomben befinden könnten - und zwar "im zweistelligen Bereich". Das Gebiet soll nun per Luftbildern und Bodenproben erneut auf Blindgänger untersucht werden.
Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Das sagte Sprecher Andreas Buick. Es werde überprüft, ob dem Kolonnenführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein strafbares Verhalten vorzuwerfen sei.
Am Dienstagabend waren bei der Explosion einer Zehn-Zentner-Bombe drei Menschen getötet, zwei schwer und vier leicht verletzt worden. Die Bombe hatte eigentlich um 22.45 Uhr entschärft werden sollen.
Allerdings schloss er aus, dass es an dem Verfahren liege: Wie bei der Entschärfung in der Nacht zu Freitag vergangene Woche, sollte ein neuartiger Roboter mit einem ferngesteuerten Wasserstrahl-Schneidegerät eingesetzt werden. Dieses Vorgehen habe sich bewährt, so Kruse. Die Opfer - 38, 52 und 55 Jahre alt - seien alle "erfahrene Kollegen" des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Zentralen Polizeidirektion gewesen, die zum Teil 700 Entschärfungen vorgenommen hätten. "Unser Mitleid gilt jetzt ihren Angehörigen und Freunden", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU).
Kruse: "Ich appelliere an die Bevölkerung: Falls sie noch Splitter finden, melden Sie dies der Polizei."
Dem ersten Vernehmen nach hat die Bombe keinen Krater in den Schützenplatz gerissen. Vielmehr sollen direkt nach der Detonation Rauch und Flammen aus dem Trichter gestiegen sein, den der Kampfmittelbeseitigungsdienst gelegt hatte, um an den Blindgänger zu gelangen. An der Unglücksstelle sollen gegen 22.30 Uhr einige Verletzte gelegen und andere herumgelaufen sein - unter Schock.
Gegen 23.20 Uhr hieß es, die beiden Schwerverletzten seien außer Lebensgefahr. Die Unfallchirurgie des Uni-Klinikums hatte sofort nach Bekanntwerden der Explosion reagiert und Unfallchirurgen, Anästhesieteams, OP-Pflegepersonal und Pflegepersonal zusammengezogen, um auf eine größere Zahl von schwer verletzten Personen eingestellt zu sein. Die vorsorgliche Notfallsituation am Klinikum wurde noch vor Mitternacht wieder aufgehoben.
Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatten den Sprengkörper am Nachmittag im Erdreich unter dem Schützenplatz identifiziert. Die Bombe lag in sieben Metern Tiefe.
Wie ein Sprecher der Feuerwehr in Göttingen mitteilte, detonierte der Sprengkörper um 21.36 Uhr auf dem Schützenplatz der Universitätsstadt, als die Entschärfung vorbereitet wurde. Der dumpfe Knall war in der ganzen Stadt zu hören. Kurz darauf rasten Dutzende Rettungsfahrzeuge mit heulenden Sirenen über den Innenstadt-Ring Richtung Schützenplatz.
Johannson sagte auf DAPD-Anfrage, die Evakuierung sei noch im Gang gewesen, als die Bombe explodierte. Die Kampfmittel-Experten hätten aber erst Vorarbeiten zur Abtrennung des Zünders eingeleitet und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet.
Ein Bereich 300 Meter um den Unglücksort sei zur Sicherheit noch abgeriegelt, teilte die Polizei am Mittwochmorgen mit. Von der Sperrung seien Firmen und Schulen betroffen. Die Anwohner, die ihre Häuser verlassen mussten, konnten dagegen in der Nacht in ihre Wohnungen zurückkehren.
Im Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen arbeiten 45 Polizisten. Diese haben eine besondere Ausblidung als Sprengmeister, Munitionsfacharbeiter, aber auch als Auswerter von Luftbildern und Fotografen.
Die Mitarbeiter, die Bomben entschärfen, kommen alle aus einem metallverarbeitenden Beruf. Dann werden sie zum Munitionsfacharbeiter ausgebildet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst besteht seit 60 Jahren. Bisher sei noch niemand bei der Arbeit ums Leben gekommen, heißt es bei der Polizei. Allerdings gibt es für die ersten Jahre nach dem Krieg keine genauen Aufzeichnungen.
Im letzten Jahr wurden in Niedersachsen 80 Bomben entschärft, die jeweils mehr als 50 Kilo wogen. Im Jahr davor waren es 91, im Jahre 2008 genau 88 Stück. In Hessen wurden im letzten Jahr 140 Tonnen Bomben entschärft. Der hessische Kampfmittelräumdienst gehört zum Regierungspräsidium Darmstadt. (tho)
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