Göttingen. Der 14-jährige Cepand ist total glücklich. Gerade haben er und sein Vater ein gut erhaltenes, gelbes Mountain-Bike ersteigert. 50 Euro zahlen sie nach einer minutenlangen Bieterschlacht, die bei zwei Euro begann. „Wer bietet mehr“, fragt Auktionator Erich Hennecke vorsichtshalber, bevor er ihnen den Zuschlag erteilt. Zuvor hatte der Mitarbeiter des städtische Ordnungsamtes in Göttingen die rund 150 Interessenten bei der Fahrradauktion gewarnt: „Ein Rahmenbruch oder andere Schäden sind ihr Bier. Die Stadt übernimmt weder Haftung noch Gewähr.“
Cepand und sein Vater haben Glück bei ihrer Jagd nach einem Schnäppchen. Das Zweirad ist in Ordnung, der 14-Jährige dreht am Samstag vor dem Pavillon an der Bonifatius-Schule mit strahlenden Augen gleich die erste Runde.
Rund 100 Fahrräder aus dem städtischen Fundbüro kommen alle halbe Jahre unter den Hammer. „Das ist der Durchschnitt“, sagte der gut gelaunte und routinierte Auktionator, bevor er den Tisch zur Versteigerung in dem früheren Klassenzimmer erklimmt. Im Angebot sind Räder, die im Stadtgebiet gefunden worden waren und auf die niemand mehr Anspruch erhoben hat - darunter richtige Schönheiten.
„Das wird für uns zu teuer sein“, schätzten die beiden Studenten Wolf Reinert und René Kaufmann, als sie ein hochwertiges Mountainbike der Marke Trek begutachten - ein so genanntes Fully, bei dem Vorder- und Hinterrad gefedert sind. „Das sieht aus wie neu.“ Die beiden sind das erste Mal bei einer Fahrradauktion dabei und wollen erst einmal Atmosphäre schnuppern. Wie viele andere fragen sie sich, warum das Rad herrenlos geworden ist. Schließlich hat es einmal viel Geld gekostet. Das gute Stück geht schließlich für 175 Euro in den Besitz eines neuen Eigentümers über.
Rund drei Stunden braucht das eingespielte Team des Ordnungsamtes, um fast alle Drahtesel an den Mann zu bringen. Jana Schreiner ist die Herrin der Kasse. Sie hält nach jedem versteigerten Los die Hand auf. „Ersteigert wird nur gegen Bares.“ 4000 Euro zählt es sie nach getaner Arbeit. Teuerstes Stück war ein Motorroller, der eine neue Besitzerin fand. 350 Euro musste sie dafür auf den Tisch von Jana Schreiner legen.
Von Hans-Peter Niesen



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