Göttingen. „Auf geht´s, such!“ Als Eberhard Block diese Worte sagt, ist Ivory kaum noch zu halten. Wild mit dem Schwanz wedelnd, mit der Nase flach über dem Boden und dem Herrchen an der langen Leine hinter sich schnüffelt die dreijährige Boxerhündin los.
Erst rund 100 Meter geradeaus, dann im 90-Grad-Winkel nach rechts und immer weiter. Zielstrebig und ohne sich dabei stören zu lassen, folgt sie der Fährte, die Block einige Minuten zuvor gelegt hat. Und am Ende angekommen erhält sie die ersehnte Belohnung: liebevolle Streicheleinheiten und ein kleines Leckerchen.
„Das erfordert viel Arbeit“, erzählt Eberhard Block. Als einer von 40 Hundeführern hatte sich der 63-jährige Fürther für die Deutschen Fährtenhunde-Meisterschaften für Boxer (Stufe 2) qualifiziert, die am Wochenende vom Boxer-Klub Gruppe Göttingen ausgerichtet wurden. „Es ist der Traum eines jeden Fährtenarbeiters, an dieser Meisterschaft teilzunehmen. Das ist wie die Bundesliga“, sagt Block. Für ihn war es nach 2010 bereits die zweite Teilnahme bei einer Deutschen Meisterschaft. Zuvor hatte er jahrelang bei Wettbewerben als Fährtenleger mitgewirkt. „Das Tolle bei solchen Veranstaltungen ist, dass sich alle untereinander kennen und dass es somit wie ein großes Familientreffen ist“, schwärmt er.
Um sich für die Deutschen Titelkämpfe zu qualifizieren, mussten die Boxer und ihre Hundeführer zunächst in einer der 16 Landesgruppen in ganz Deutschland bei Ausscheidungs- und Qualifikationsprüfungen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Bei der Fährtenhundeprüfung Stufe 2 müssen die Hunde eine 1800 Schritt lange und mindestens drei Stunden alte Fremdfährte verfolgen. Die führt kreuz und quer durchs Gelände – in diesem Fall die Feldmark bei Dransfeld – und der Hund muss sieben im unregelmäßigen Abstand abgelegte Gegenstände finden. Die maximale Gesamtpunktzahl für eine perfekt ausgearbeitete Fährte beträgt 100 Punkte. „Im vergangenen Jahr haben wir 86 Punkte erzielt und damit Platz 26 belegt“, erzählt Eberhard Block. Auch wenn das Ergebnis eigentlich zweitrangig sei, hoffe er für dieses Jahr dennoch auf eine Verbesserung.
„Fährtenarbeit kann man mit jeder Hunderasse machen“, sagt der 63-Jährige. Durch seine eher flache Schnauze sei der Boxer von Natur aus zwar nicht dafür prädestiniert – Schäferhunde schneiden in der Regel besser ab – , doch könne auch er sehr gute Leistungen erzielen. „Vor Prüfungen arbeite ich mit Ivory zwei- bis dreimal wöchentlich und sie hat viel Spaß dabei“, erklärt Block.
Dem Göttinger Boxer-Klub macht der Fürther ein dickes Kompliment: „Obwohl sie diese Meisterschaft zum ersten Mal organisiert haben, haben sie das richtig gut gemacht“, lobt er.
Von Per Schröter



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