Göttingen. Stetig mehr Menschen leiden an psychische Erkrankungen. Ein Trend, der auch in der Region Göttingen gar verstärkt zu beobachten ist. Arbeitnehmer fehlten hier 2010 deutlich öfter wegen Depressionen als im Durchschnitt in Niedersachsen. Auch im Vergleich zu 2009 wurden mehr Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen von Ärzten in der Region verordnet.
Das weist der DAK-Gesundheitsreport 2011 aus. Er wird vom IGES-Institut auf Basis von Befragungen und Krankheitsstatistiken regional erstellt. Die DAK hat im Göttinger Land 70 000 und in Niedersachsen 575 000 Versicherte.
Verantwortlich für psychische Erkrankungen seien auch Belastungen am Arbeitsplatz, verbunden mit Leistungsdruck, Konkurrenz, Konflikten, der Angst vor dem Verlust – aber auch der dauerhaften Unterforderung samt Unzufriedenheit, wie ein Sprecher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Dortmund ergänzt. Eine Erkenntnis, die durch den DAK-Report gestützt wird: Zunehmend auch junge Arbeitnehmer bis 29 Jahre sind von Depressionen und Ängsten betroffen, obwohl sie sich in der deutlichen Mehrheit als leistungsfähig und oft sogar unterfordert bezeichneten.
Auch bei anderen Diagnosen liegt Göttingen über dem Landesdurchschnitt. Hier erkranken fast fünf Prozent mehr Menschen an Muskel-Skelett-Erkrankungen als im Landesdurchschnitt.
Bei Atemwegserkrankungen sind es 14,4 Prozent, Psychischen Erkrankungen 12,8 Prozent und Krankheiten im Verdauungstrakt gar 19,7 Prozent mehr als durchschnittlich im Land. Im Vergleich zu 2009 haben Ausfallzeiten wegen Muskel-Gelenk-Probleme (22 Prozent) und Verdauungserkrankungen (11) sowie Depressionen (4,4) deutlich zugenommen. Oft resultieren daraus Langzeiterkrankungen, die sich in der Statistik niederschlagen, denn knapp vier Prozent aller Krankheitsfälle stehen für 43 Prozent der Krankenzeiten. Besorgniserregend sei auch, dass in Niedersachsen 18 Prozent der jungen Erwerbstätigen den Arbeitsalltag als „sehr belastend“ einstuften. Sie klagen zunehmend über Muskelversspannungen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten.
Von Thomas Kopietz



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