1122.01.1022.01.10|Hann. Münden|
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Göttingen. Bei einem Brandanschlag im Göttinger Kreishaus ist am Freitagmorgen ein 25-jähriger Mitarbeiter der Ausländerbehörde verletzt worden. Die Tat habe offenbar einen politisch motivierten Hintergrund, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath.

© HNA/Rampfel
Der Tatort: Das Göttinger Kreishaus kurz nach dem Brandanschlag.
In der Nähe des Tatortes fanden die Ermittler ein Schreiben, in dem die Abschiebung von Flüchtlingen thematisiert und ein „Bleiberecht für alle“ gefordert wird.
Die unbekannten Täter hatten den Brandsatz vermutlich zwischen 8.30 und 9 Uhr in der Teeküche im 2. Stock der Kreisverwaltung gelegt. Der 25-Jährige entdeckte das Feuer und holte schnell einen Feuerlöscher. Als er gerade wieder den Raum betreten wollte, sei es zu einer Verpuffung gekommen, sagte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Volker Warnecke. Die Explosion war so stark, dass die Hängeschränke von den Wänden flogen.
Der Mitarbeiter hatte Glück im Unglück: Die Druckwelle katapultierte ihn aus dem Türrahmen, in dem er gerade stand. Wäre er in dem Raum gewesen, hätte er schwerste Verletzungen erlitten, sagte Polizeichef Rath.
Der 25-Jährige wurde vorsorglich ins Göttinger Universitätsklinikum gebracht, am Nachmittag aber wieder entlassen. Der Sachschaden wird derzeit auf mindestens 10 000 Euro geschätzt.
Die Sicherheitsbehörden sind jetzt alarmiert. Der oder die Täter hätten mit einem hohen Maß an krimineller Energie gehandelt, sagte Polizeichef Rath. Da weitere Taten nicht auszuschließen seien, werde die Polizei besondere Schutzmaßnahmen für mögliche gefährdete Personen und Objekte ergreifen. Man habe auch das Landes- und das Bundeskriminalamt in die Ermittlungen eingeschaltet.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie der Körperverletzung. Möglicherweise komme auch ein versuchtes Tötungsdelikt in Betracht, sagte Hans-Hugo Heimgärtner, Sprecher der Strafverfolgungsbehörde. Die Polizei setzte am Nachmittag am Tatort auch Spürhunde ein. Eine konkrete Spur haben die Ermittler bislang nicht. Eines steht nach Angaben der Polizei aber fest: Der Brand ist vorsätzlich gelegt worden, ein Unfall auszuschließen.
In den vergangenen Tagen hatte es in Göttingen wiederholt Proteste gegen die Abschiebung von 60 Angehörigen der Volksgruppe der Roma in den Kosovo gegeben.
Von Heidi Niemann
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