Hann. Münden. Die Mündener Grünen fordern die Aberkennung des Ehrenrings des Heimatforschers Karl Brethauer. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen kündigt einen Ratsantrag an, der die Aberkennung des Ehrenrings der Stadt Hann.Münden zum Ziel hat.
Angestrebt sei ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen/Personen des Rates, heißt es in einer Erklärung der Grünen.
Mit der symbolischen Rücknahme dieser Ehrung solle der Name Karl Brethauer „für alle Zeiten aus der Liste der von der Stadt geehrten Personen entfernt werden“. Damit setze die Stadt ein deutliches Zeichen der Distanzierung. Die HNA hatte berichtet, dass der inzwischen verstorbene Heimatforscher und Heimatpfleger für die Nationalsozialisten Kunst und Kulturgüter geraubt hatte.
Bestürzend sei aus Sicht der Grünen, dass Brethauer nach dem Krieg als Heimatpfleger, Mündener Ratsmitglied und sogar als Lehrer tätig war.
Umso schockierender sei es, dass er von 1940-1945 im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) in leitender Position „direkt unter Rosenberg für die Katalogisierung großer Mengen geraubten Kulturguts aus Frankreich und Osteuropa verantwortlich war“. Dabei habe er offensichtlich unterstützt und gebilligt, dass die Besitzer der Raubgüter in Konzentrationslagern verschwanden.
Die - posthume - Rücknahme der Auszeichnung sei nun der Weg, sich von einem Drahtzieher des Nationalsozialismus und deutlichen Verfechter der NS-Rassenideologie deutlich zu distanzieren.
Die vergleichsweise späte Entdeckung von Brethauers unrühmlichen Aktivitäten sei unter anderem dadurch zu erklären, dass wichtige Akten in Osteuropa erst nach der Wende zugänglich gewesen seien.
Maßgebliche Hinweise zu Brethauer erhielten die Grünen nach persönlicher Kontaktaufnahme mit dem US-Amerikaner Roderick Miller (Berlin), heißt es in der Erklärung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dr. Isolde Salisbury. Millers akribische Recherchen, basierend auf Erkenntnissen der US-Amerikanerin Patricia Kennedy Grimsted (Universität Harvard), seien überzeugend. Dies habe auch der Göttinger Prof. Dr. Frank Möbus, Projektleiter der Arbeitsstelle zur Ermittlung von nationalsozialistischem Raub- und Beutegut in Göttinger Universitäts- und Seminarsbibliotheken bestätigt.
Allen anderen Personen des öffentlichen Lebens, die aufgrund außerordentlicher „Verdienste um die Stadt Hann.Münden auf politischem, wirtschaftlichem, sozialem oder kulturellem Gebiet“ ausgezeichnet wurden, sei es nicht zuzumuten, mit Brethauer weiterhin auf einer Stufe zu stehen.
Nicht zuletzt um der Opfer des nationalsozialistischen Regimes willen solle mit der Aberkennung des Ehrenrings für Brethauer hier vor Ort ein deutliches Zeichen gesetzt werden. (red/awe)



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