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Hann. Münden. Noch reagiert Birgit Stellmacher aus Kassel sehr langsam. Unsicher und desorientiert blickt sie durch den Raum – aber: sie lächelt. Heute hat sie ihrem Ehemann Klaus Stellmacher ein ganz besonderes Geschenk gemacht: eine ihrer Nieren.

Eine Spende für den Ehemann: Dr. Jens Küster, leitender Arzt der Urologie im NZN, Krankenpfleger Jochen Noll und Oberarzt Dr. Raimund Elsner entnehmen Birgit Stellmacher eine ihrer Nieren. Foto: Müller
Zwei Stunden zuvor: Die Patientin schläft. Sie liegt seitlich auf einem OP-Tisch. Alles ist vorbereitet für die Organentnahme. Dr. Jens Küster, leitender Arzt der Urologie im NZN, betritt mit seinem Team den Raum. „Zwischen der elften und zwölften Rippe werden wir die Niere freilegen“, erklärt er. An der Wand hängen Aufnahmen der Organe – zwei gesunde Nieren.
Dieses Glück hat ihr Mann nicht. „Es heißt, zu hoher Blutdruck hätte die Nierenschäden verursacht. Aber das ist wie mit dem Huhn und dem Ei: Es ist schwer zu sagen, welches Problem zuerst da war“, erzählt Klaus Stellmacher. Er liegt in einem Bett neben dem OP und wartet. Er wirkt ruhig, gesteht aber seine Aufregung. Gern hätte er seiner Frau dieses Geschenk gemacht.
Mit dem Skalpell zieht Dr. Küster einen feinen Schnitt in die Haut der Frau. Fettgewebe kommt zum Vorschein, die Blutungen werden durch Verödung der Gefäße gestoppt. Immer tiefer schneidet sich Dr. Küster vor, bis die seitliche Bauchmuskulatur sichtbar wird.
Die Ärzte tasten sich vom hinteren Bauchraum an die Niere heran, damit der Darmbereich in Takt bleiben kann, erklärt Anästhesist Prof. Dr. Helge Schenk, der penibel die Vitalwerte der Patientin überwacht. „Sie wird hinterher keine Medikamente nehmen müssen. Ihre verbleibende Niere wird wachsen und das Defizit ausgleichen.“
Dr. Küster hat das Organ freigelegt. Er öffnet die Nierenkapsel. Jetzt muss er die Blutgefäße von dem Organ trennen und die Verbindung zur Harnröhre. „Das ist durchaus auch Handarbeit hier“, sagt er lachend.
„Die Aussicht auf Erfolg ist bei diesem Eingriff sehr gut. Trotzdem wird der Patient ein Leben lang Medikamente nehmen müssen, damit er die Niere lange behalten kann.“
Dr. Jens Küster
Ein Behälter mit Eis wird vorbereitet. Die Niere kommt – und wird gewaschen. Das Blut wird herausgespült, sie wird heller. Dann verschwindet sie in zwei Beuteln, die auf das Eis gelegt werden. „Die Niere ist schön und die Blutgefäße sehen auch gut aus“, urteilt Dr. Küster.
„Das ist doch mein Mann“, sagt Birgit Stellmacher im Aufwachraum. Dass sie ihre Niere – wenn möglich – spenden wird, war für sie von Anfang an selbstverständlich.
Zurück im OP, ein anderer Patient: Klaus Stellmacher. Im tiefen Beckenbereich hat er einen Schnitt. Die alten Nieren bleiben in seinem Körper, jetzt kommt eine dritte hinzu.
Das kurze Venenstück der neuen Niere wird mit einer Vene des Patienten verbunden, danach die Arterie. Das Blut fließt wieder, die Niere wird rosarot – und beginnt sofort zu arbeiten. Noch bevor das Harnröhrenstück mit der Blase verbunden ist, produziert das Organ den ersten Urin. Alles funktioniert.
Jetzt ist es Klaus Stellmacher, der wohlauf, aber noch leicht benebelt ist. Doch eines verriet er schon vorher: Wenn alles überstanden ist, will der ehemalige Dialyse-Patient seine erste Cola seit Monaten trinken.
Ein Video über die Nierentransplantation gibt’s im Internet unter www.hna.de.
Von Alexandra Müller
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