Hann. Münden. Karl Brethauer, als Heimatforscher und Ortsheimatpfleger in Hann. Münden anerkannt und geehrt, hat für die Nationalsozialisten Kunst und Kulturgüter geraubt.
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Bürgermeister Klaus Burhenne und der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum sind über dieses jetzt bekannt gewordene Kapitel ihres Ehrenringträgers und einstigen Ehrenmitglieds bestürzt.
Bürgermeister Burhenne hat den Verwaltungsausschuss informiert. Die Politik sei nun aufgefordert zu entscheiden, ob die Auszeichnung zurückgenommen werden soll. Brethauer, der 1992 in Münden starb, war für seine Heimatarbeit und seine zeitweilige Tätigkeit als Ratsherr 1982 mitdem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet worden.
Mehr im Regiowiki
Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins werden am 16. Februar beraten, wie sie reagieren werden, kündigte Vorsitzender Wulf Richter an. Der Verein hatte Brethauer die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Diese erlösche zwar mit dem Tod, erklärte Richter, dennoch überlege man, ob ein Zeichen gesetzt werden solle.
Der Schock sitzt tief, denn Brethauer war kein Mitläufer: Er war Leiter der Hauptarbeitsgruppe des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg (ERR). Systematisch ließ er in dieser Funktion jüdische, russische und freimaurerische Bibliotheken plündern. All das steht im Internet zu lesen - in Wikipedia und auch im Regiowiki der HNA. Burhenne: „Wir haben zunächst die Richtigkeit dieser Angaben überprüft.“ Daran haben inzwischen weder er noch Wulf Richter vom Geschichtsverein oder Julia Bytom vom Verein Erinnerung und Mahnung noch Zweifel.
Aus den der Stadt vorliegenden Unterlagen geht die Nazi-Vergangenheit des einstigen Lehrers und Ortsheimatpflegers nicht hervor. Wie in vielen Lebensläufen jener Zeit ist nur vermerkt, dass Brethauer im Krieg war. Die ERR-Akten in Berlin waren im Krieg vernichtet worden. Aufschluss gab erst jetzt Material aus Osteuropa. (tns)



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