Oberode. Ein 77-Jähriger, der in einer Altenpflegeeinrichtung in Oberode lebte, war vor mehr als zwei Wochen vermisst gemeldet worden. Am Mittwoch wurde der Mann tot in einem Garten in Oberode entdeckt. Wir sprachen darüber mit Jasmin Kaatz, Sprecherin der Polizeiinspektion in Göttingen.
Wie kann es passieren, dass im Umkreis von 300 Metern eine vermisste Person nicht gefunden wird?
Jasmin Kaatz: Nach ersten Meldungen des Pflegeheimes gegen 18 Uhr galt der Mann dort ab 17 Uhr als vermisst. Die Zeit wurde später auf 16 Uhr revidiert. Durch einen Zeugenhinweis wurde bekannt, dass der 77-Jährige schon vormittags in Hedemünden gesehen worden sein sollte.
Die Suchaktion konnte aufgrund dieses wichtigen Hinweises ab dann nicht mehr nur auf die unmittelbare Heimnähe beschränkt werden und wurde unverzüglich auf Oberode, Hedemünden und Ziegenhagen ausgeweitet.
Nach welcher Zeit wird eine Person in der Regel als vermisst gemeldet, gerade in Seniorenwohnheimen?
Kaatz: Wir gehen davon aus, dass insbesondere das Verschwinden einer kranken oder hilflosen Person aus einem Seniorenwohnheim immer unverzüglich von den Verantwortlichen bei der Polizei angezeigt wird, damit sofort alle notwendigen Suchmaßnahmen initiiert werden können.
Wie sind die Suchmaßnahmen der Polizei organisiert?
Kaatz: Sofort nach Eingang der Vermisstenmeldung wurden Beamte der Polizei Hann. Münden, aus Göttingen und Hessen sowie Kräfte anderer Organisationen für die Suchmaßnahmen angefordert.
Wo wird gesucht?
Kaatz: Erste Suchmaßnahmen begannen in diesem Fall sofort nach Eingang der Vermisstenmeldung und wurden mit Eintreffen weiterer Helfer intensiviert. Insgesamt waren bis in die Nacht 80 Einsatzkräfte in die Suchmaßnahmen eingebunden. Es wurde im öffentlichen Raum auf Straßen, Wegen, in Grünanlagen und im Bereich des Werraufers und mit Erlaubnis der Grundstücksbesitzer auch auf befriedetem Besitztum gesucht.
Kamen Spürhunde zum Einsatz?
Kaatz: Bei der Suche kamen auch Spezialhunde zum Einsatz. Zur Zeit der Vermisstenmeldung herrschten allerdings lang anhaltende, tiefe Frosttemperaturen. Bei derart extremen Witterungsverhältnissen sind die Nasen der Hunde nur noch eingeschränkt einsatzfähig.
Wie verlief die weitere Suche?
Kaatz: In den darauffolgenden Tagen suchten Einsatzkräfte der Polizei und Spezialhunde aus Kassel nach dem Vermissten. Danach wurde die Suche innerhalb des täglichen Dienstes weitergeführt. Am Mittwochmittag dieser Woche entdeckte ein Zeuge bei Arbeiten den Leichnam des 77-Jährigen zwischen Dornenbüschen und Sträuchern im hinteren Teil eines größeren, naturbelassenen Grundstückes. Das Gebiet liegt am Ortsrand von Oberode und grenzt unmittelbar an ein Waldgebiet. Die Fläche ist von einem 1,80 Meter hohen Zaun umgeben und von außen nur schwer bis kaum einsehbar.
Bis zu welchen Temperaturen macht der Einsatz einer Wärmebildkamera Sinn?
Kaatz: Wenn ein Mensch noch lebt, macht der Einsatz einer Wärmebildkamera immer Sinn. In diesem Fall waren bis zum Einsatz des Hubschraubers im günstigsten Fall fünf Stunden vergangen.
Wie lange dauert, es bis eine Person bei Minusgraden so ausgekühlt ist, dass eine Wärmebildkamera nichts mehr anzeigt?
Kaatz: Bei Temperaturen von minus 10 Grad Celsius ist der Körper einer erwachsenen Person nach wenigen Stunden erfahrungsgemäß schon soweit herabgekühlt, dass die Wärmebildkamera ihn nicht mehr erfasst.
Von Kathrin Meyer



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