Barlissen. Wer die Küche von Marianne Kettler betritt, der wird dieser Tage mit Gackern und Piepsen begrüßt. Unmittelbar neben dem warmen Bollerofen zieht dort gerade eine goldbraune Zwergwyandotte in einer Plastikkiste drei Küken groß.
Auf ihnen sitzend, spendet das Huhn den Kleinen zusätzliche Wärme und animiert sie zwischendurch immer wieder zum Fressen und Saufen. Und das, obwohl es sich bei den Küken nicht um Zwergwyandotten handelt und nicht um Hühner. Die fleißige Glucke kümmert sich um drei kleine Schneckenenten, die vor drei Tagen aus ihren Eiern geschlüpft sind.
„Zu dieser Jahreszeit ist es schon etwas Besonderes, wenn eine Glucke Eier ausbrütet“, sagt Marianne Kettler. Dass sie überhaupt den Versuch gestartet habe, ihrer Zwergwyandotte drei Enteneier unterzuschummeln, habe einen einfachen Grund.
„Im vergangenen Sommer hat der Marder unsere drei Schneckenenten geholt und wir wollten gerne wieder welche für den Garten haben, weil sie die Schnecken auffressen“, sagt sie. Als die Enten des Nachbarn vor Weihnachten und damit ungewöhnlich früh Eier legten, habe sie drei Stück geholt. „Zum Glück war unsere Zwergwyandotte gerade glucksch und hat sofort mit dem Brüten angefangen“, erzählt die Barlisserin.
Dass nach über vier Wochen tatsächlich alle drei Entenküken auf natürliche Weise schlüpfen würden, habe sie gar nicht erwartet. „Wenn Hühner Enteneier ausbrüten, dann klappt das nicht immer, weil die Schale der Eier sehr hart ist“, sagt Marianne Kettler.
Während Enten während der Brutzeit ins Wasser gingen, sich danach nass auf die Eier setzten und deren Schale durch die Wärme und die Feuchtigkeit spröde würden, sei dies bei Hühnern nicht der Fall. „Wenn man das weiß, kann man den Küken aber in der entscheidenden Phase helfen, die Eierschale zu knacken“, sagt die 75-Jährige.
Wie lange sich die Zwergwyandotte noch um ihre „Kuckuckskinder“ kümmern wird, kann man nicht sagen. „Das macht sie so lange, bis sie die Kleinen nicht mehr haben will und sich abwendet“, sagt die ehemalige Landwirtin.
Allzu lange brauchen aber Entenbabys ohnehin die Hilfe ihrer Ziehmutter nicht, da sie mit zehn Wochen schon beinahe ausgewachsen sind. „Aber bei den Minusgeraden ist es für die Kleinen einfach zu kalt im Stall. Deshalb hab ich sie ins Haus geholt“, sagt Kettler. Aber wenn es wieder wärmer wird, kommen sie in den Garten, wo sie hoffentlich fleißig Schnecken jagen werden.“ (per)
Rubriklistenbild: © Foto: Schröter


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