Hann. Münden. Die Fans der auswärtigen Mannschaft treffen am Gimter Bahnhof ein. An Gleis 8 werden sie schon von der Polizei erwartet. Die begrüßt sie freundlich und kündigt ihre Begleitung bis zum Weserstadion an.
Vor und hinter den blau gekleideten Fußballanhängern setzen sich die Bereitschaftspolizisten in Bewegung.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Nun hat Gimte keinen Bahnhof und kein Weserstadion, und wenn Fuballfreunde den Sportplatz im Weserpark nutzen, dann kommt auch keine Hundertschaft. Gestern aber provozierten dort Fans rivalisierender Vereine einander und alle gemeinsam die Polizei: Die 5. Bereitschaftspolizeihundertschaft (BPH) aus Göttingen probte den Einsatz zwischen gewaltbereiten Stadionbesuchern.
Polizisten der 3. Hundertschaft aus Braunschweig mimten die marodierenden Fans. Die Braunschweiger Kollegen seien praktisch jedes zweite Wochenende bei Fußballspielen unterwegs, sagte Sven Thielert, BPH Göttingen, sie wissen also ganz genau, was abgeht. Das spielten sie auch sehr überzeugend aus: Provozierende Sprüche, Beleidigungen, Hetzlieder, Böllerwürfe – sie zogen alle Register, ihren Kollegen das Leben schwer zu machen.

Für das Übungs-Szenario wurden Erfahrungen aus verschiedenen Fußball-Einsätzen miteinander kombiniert: Ein Spiel der Oberliga, letzter Spieltag, aufgeheizte Stimmung. Der schwierigste Punkt sei immer der, wo die eben noch friedliche Situation in Gewalt kippt, sagt Thielert. Dann müsse man schnell reagieren und dabei noch die meist alkoholisierten Kontrahenten richtig einschätzen.
Als einer der Blauen einen Feuerwerkskörper zündet, hält die Polizei den Zug der Fußballfans an und fordert sie auf, alle Böller abzugeben. Der Weg vom Bahnhof zum Stadion führt am Vereinslokal des einheimischen Clubs vorbei. Dessen Fans, in Gelb, haben die Stimmung mit Spottgesängen schon kräftig angeheizt, als die Blauen um die Ecke biegen. Jetzt müssen die Einsatzkräfte die beiden Lager auseinanderhalten. Schnell werden die Gelben am Vereinslokal festgesetzt, die Blauen mit großen Aufgebot abgeschirmt und weiter zum Stadion geleitet. Für die Gelben ist das Spiel vorbei, bevor es begann: Wegen Böllerwürfen, Beleidigungen und anderer Delikte werden sie festgehalten, die Strafverfahren nehmen ihren Lauf.
Inzwischen sind die Bereitschaftspolizisten auch am Eingang des Stadions aktiv. Dort gibt es zu wenig Ordner, um die Fans rechtzeitig vor Spielbeginn abzufertigen. Ein häufiges Problem bei den kleineren Clubs, sagt Thielert. Die Polizei muss helfen. Sie kontrolliert Taschen und Personen, hält die zurück, die Stadionverbot haben und muss auch immer wieder bei Rangeleien eingreifen.
So viele Kräfte wie hier stünden real nicht zur Verfügung, sagt Andre Schröder, stellvertretender Hundertschaftsführer der 5. BPH Göttingen. Mit dem Ablauf der Übung zeigt er sich am Ende zufrieden. Taktisch sei alles sehr gut verlaufen. Es seien viele dabeigewesen, die noch nicht sehr erfahren sind, sagt er, „sie haben hier sicher viel mitnehmen können.“



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