Hann. Münden. Ein warmer Tee schmeckt bei diesem Wetter besonders gut. Thomas Magister hält sich am Mittwochmorgen in der Mündener Kaffeemühle, der Tagesstätte für Obdachlose auf.
Er bezeichnet sich selbst als Durchreisenden. Seit Montag schläft er bei einem Bekannten in Münden: Das tut gut, denn die niedrigen Temperaturen gehen durch und durch. Die Nacht auf Montag habe er noch in seinem Schlafsack auf einem Mündener Schulgelände verbracht, erzählt er und dreht sich eine Zigarette.
Zuvor war er ein paar Tage in Göttingen. An Schlafen ist auf der Platte, wie Thomas Magister das Nachtquartier im Freien nennt, bei grimmigem Frost nicht zu denken. „Da gibt es höchstens mal einen Sekundenschlaf, aber ein Auge ist immer auf“, berichtet der 43-Jährige.
Seit rund drei Jahren ist er in Deutschland wieder als Wohnungsloser unterwegs. 1992 begann seine Tour, dann unterbrach er sie. Wie er in diese missliche Lage gekommen ist und seine Wohnung aufgegeben hat, darüber möchte der in Kassel geborene Mann nicht sprechen. „Ich bitte das zu respektieren“, sagt Thomas Magister.
Noch in dieser Woche will der gelernte Maler und Lackierer mit Zelt und Rucksack weiter ziehen, Richtung Oberhessen. Zum Leben bleibt ihm nicht viel. „Erspartes habe ich nicht, ich lebe vom Tagessatz.“ Das sind 12,46 Euro, die er beim Jobcenter an seinem jeweiligen Aufenthaltsort abholt.
Das Angebot der Kaffeemühle an der Mühlenstraße sei wichtig für Durchreisende, sagt er. Aufwärmen, Kaffee oder Tee trinken, bei Bedarf kochen, duschen und Wäsche waschen gegen einen geringen Obolus. Roswitha Wolf, Mitarbeiterin in der Kaffeemühle, kennt die Bedürfnisse der Obdachlosen. Sie seien froh, solche Angebote nutzen zu können. Wolf: „Wenn Du auf der Straße lebst, kannst Du nicht auf Vorrat kaufen.“
Von Axel Welch



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