Hann. Münden. Das Hochwasser lief gut ab, „und von unseren Lauben ist auch keine den Fluss runtergeschwommen.“ Dennoch sei die Flut zur Unzeit gekommen, sagt Hans-Georg Lampel (76), Kleingärtner an der Werra am Stadtausgang nach Witzenhausen. „Die Behörden, die unsere Gartenhütten abreißen wollen, jetzt haben sie bekommen, was sie gegen uns brauchten. Ich fürchte, dieses Hochwasser war für uns die letzte Ölung.“
Tag vier nach Beginn der Überschwemmung: Lampel und einige Bekannte stehen vor den Gärten, die aussehen wie das Wattenmeer bei Ebbe: Man erkennt gerade noch, dass der alte Mündener sein Gelände vorher sorgsam umgegraben hatte. Immerhin: die Baulichkeiten stehen noch unverrückt: die Laube, der Kaninchenstall – seine Tiere hatte die Feuerwehr gerettet – kleine Umfriedungen.
Gartenfreund Uwe Ringsleben (42) gesellt sich dazu. Lohnt es sich für sie überhaupt noch, aufzuräumen und alles wieder herzurichten, wo doch die neuen Hochwasserschutzbestimmungen des Landes ihren Hütten den Geraus machen wollen? „Natürlich“, sagt Ringsleben. „Zumindest in diesem jahr soll ja angeblich alles noch stehenbleiben. Und da wollen wir wenigsten diesen Sommer noch genießen.“
Beide gehören der Interessengemeinschaft Blümer Werder an, die zusammen mit den Kleingärtnergruppe Liebfrauenwiese gegen Abriss kämpft. Dass sie gegen Landesverordnungen und Verfügungen der Unteren Wasserbehörde beim Kreis wohl nur schwerlich ankommen werden, darüber machen sie sich keine Illusionen. „Aber vielleicht lassen sie ja wenigsten die guten unter den Hütten stehen“, hofft Hans-Georg Lampel. „Aber wenn nicht, dann hör’ ich auf. Was ist denn ein Kleingarten ohne Laube?“
Der Rentner blickt über seien Garten und hat Wehmut in den Augen. „Was war das immer schön hier im Sommer“, schwärmt er. „Wenn das Gemüse wuchs und die Blumen, wenn man an der Hütte sitzen konnte und die Werra rauschte.“
Kaum ein Reisebus sei vorbeigefahren, ohne dass die Insassen den Gärtnern freundlich zuwinkt hätten. „Schade“, seufzt der Rentner, „dass sie uns das jetzt wegnehmen wollen.“



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