017.05.1017.05.10|Hann. Münden|
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Hann. Münden. Die heute 85 Jahre alte Wiktorja Delimat wurde 1940 von den Nazis aus ihrem polnischen Heimatdorf Nienaszów als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt.

Dienstausweis: Zwangsarbeiter erhielten bei der Deutschen Reichsbahn Dienstausweise.
„Das Besondere dieser Ausstellung ist ihre europäische Perspektive“, erläuterte der Göttinger Historiker Günther Siedbürger, der auch Autor des 2007 erschienen Buchs „Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen“ ist. In Zusammenarbeit mit polnischen, niederländischen und italienischen Wissenschaftlern haben die Ausstellungsmacher die Biografien ehemaliger Zwangsarbeit recherchiert und dargestellt.
Ein lebendiges, oft erschreckendes Bild der damaligen Über-Lebensumstände entsteht, wenn von einem Leben in Lumpen, Arbeit bis zum Unfall, nagendem Hunger und Arbeit barfuss bei Frost, Schikanen und Lebensgefahr berichtet wird.
In Hann. Münden ebenso wie in nahezu allen anderen Orten der Region gab es kaum einen Lebensbereich in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung, der nicht mit Zwangsarbeiterinnen und –arbeitern aufrechterhalten wurde. Die Firma Haendler & Natermann profitierte von 110 Zwangsverpflichteten, die Firma Henschel und Sohn von 106, die Fassfabrik Franke und Gedraht von 77 und die Filzfabrik Schedetal von 45. In der Zuckerfabrik Obernjesa waren es sogar 420.
Wiktorja Deminat hatte Glück im Unglück. Auf dem Bachmannschen Hof musste sie zwar bis zu 17 Stunden am Tag arbeiten, aber sie hatte es vergleichsweise gut. Sie schlief in ihrer eigenen Kammer, und sie durfte trotz des Verbots der Nazis zusammen mit der Familie am selben Tisch die Mahlzeiten einnehmen.
Nach dem Krieg blieb sie für weitere 20 Jahre dort. „Ich hatte Angst und wusste nicht wohin.“
Von Hans-Peter Niesen
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