Über 50 000 Zwangsabeiter in der Region - Ausstellung zeigt Schicksale

Hunger, Fron und Angst

017.05.1017.05.10|Hann. Münden|
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift  a /  A||

Hann. Münden. Die heute 85 Jahre alte Wiktorja Delimat wurde 1940 von den Nazis aus ihrem polnischen Heimatdorf Nienaszów als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt.

Dienstausweis: Zwangsarbeiter erhielten bei der Deutschen Reichsbahn Dienstausweise.

Ausstellung bis zum
6. Juni zu sehen

Die Wanderausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit Südniedersachsen 1939-1945“ in der ehemaligen Kurhessen-Kaserne wird bis zum 6. Juni gezeigt. Sie ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 17 Uhr, freitags bis 13 Uhr und sonntags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Jeweils sonntags gibt es um 15.30 Uhr eine öffentliche Führung. Geschlossen ist die Ausstellung samstags und an den beiden Pfingstfeiertagen. Für Schulklassen und größere Gruppen ist eine Anmeldung unter den Telefonnummern 05541/701506 oder 05541/9094824 erforderlich. Weitere Informationen unter www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu. (zhp)

Erst musste sie in einer Berliner Munitionsfabrik schuften, dann kam sie 1942 nach einem gescheiterten Fluchtversuch nach Südniedersachsen. Erst arbeitete sie in der Zuckerfabrik Obernjesa, anschließend auf dem Bauernhof der Familie Bachmann in Ebergötzen. Die rüstige alte Dame mit dem verschmitzten Lächeln ist eine der wenigen Überlebenden von einst 50 000 bis 60 000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus 16 Nationen, die die Nazis nach Südniedersachsen deportiert hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Wiktorja Delimat hier geblieben, der heimische Hof und ihr Dorf waren verbrannt, die Eltern bei der Zwangsarbeit umgekommen. Am Sonntag eröffnete Wiktorja Delimat zusammen mit Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne in der ehemaligen Kurhessenkaserne die Wanderausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit Südniedersachsen 1939-1945“.

„Das Besondere dieser Ausstellung ist ihre europäische Perspektive“, erläuterte der Göttinger Historiker Günther Siedbürger, der auch Autor des 2007 erschienen Buchs „Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen“ ist. In Zusammenarbeit mit polnischen, niederländischen und italienischen Wissenschaftlern haben die Ausstellungsmacher die Biografien ehemaliger Zwangsarbeit recherchiert und dargestellt.

Ein lebendiges, oft erschreckendes Bild der damaligen Über-Lebensumstände entsteht, wenn von einem Leben in Lumpen, Arbeit bis zum Unfall, nagendem Hunger und Arbeit barfuss bei Frost, Schikanen und Lebensgefahr berichtet wird.

Auch in Hann. Münden

In Hann. Münden ebenso wie in nahezu allen anderen Orten der Region gab es kaum einen Lebensbereich in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung, der nicht mit Zwangsarbeiterinnen und –arbeitern aufrechterhalten wurde. Die Firma Haendler & Natermann profitierte von 110 Zwangsverpflichteten, die Firma Henschel und Sohn von 106, die Fassfabrik Franke und Gedraht von 77 und die Filzfabrik Schedetal von 45. In der Zuckerfabrik Obernjesa waren es sogar 420.

Wiktorja Deminat hatte Glück im Unglück. Auf dem Bachmannschen Hof musste sie zwar bis zu 17 Stunden am Tag arbeiten, aber sie hatte es vergleichsweise gut. Sie schlief in ihrer eigenen Kammer, und sie durfte trotz des Verbots der Nazis zusammen mit der Familie am selben Tisch die Mahlzeiten einnehmen.

Nach dem Krieg blieb sie für weitere 20 Jahre dort. „Ich hatte Angst und wusste nicht wohin.“

Von Hans-Peter Niesen

zurück zur Übersicht: Hann. Münden

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Radio in neuem Fenster starten.
Streaming-Links des Internetsenders: mp3 in 128kbit/s und aac in 48kbit/s.

Kommentare

Videosaus Hann. Münden

300NL4S1XjS5KP6_4F0ZEKch-atXF0F1Sn55G2RvXiv3uw./static/common/img/group24/videohttp://www.hna.de/videos/4133147200125618142001window

Fotostreckenaus Hann. Münden

zurück

vor

weitere Fotostrecken:

Meist gelesene Artikel

  • heute
  • 7 Tage
  • Meist kommentiert (7 Tage)
Perspektiven öffnen für geduldete Familie Sardi

Landkreis Göttingen. Perspektiven ja, konkrete Ergebniss nein – so lautet das Ergebnis eines Gesprächs zwischen den Kindern der Familie Sardi und ihrem Unterstützerkreis mit Landrat Bernhard Reuter und Kreisrätin Christel Wemheuer.Mehr...

20-Jährige bei Unfall auf spiegelglatter Straße verletzt

Jühnde. Eine 20-jährige Frau aus Jühnde ist in der Nacht zu Sonntag bei einem Unfall auf spiegelglatter Straße kurz vor dem Ortseingang von Jühnde so schwer verletzt worden, dass sie ins Klinikum Göttingen gebracht werden musste.Mehr...

Rechtswidriger Beschluss zur Schule Hemeln – Burhenne weist Kritik zurück

Hann. Münden. Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne hat in der Debatte um den fehlerhaften Ratsbeschluss zum Erhalt der Grundschule Hemeln, die Kritik von SPD und Grünen zurückgewiesen.Mehr...

NachrichtenSportVideosMagazinServiceAnzeigenHNA-KartenserviceMeine HNA

Artikel lizenziert durch © hna
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hna.de