315.06.1015.06.10|Hann. Münden|
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Hann. Münden. Das überwältigende Gefühl bleibt. Auch wenn es für Axel Demandt zum Beruf gehört, historische Schätze auszugraben, ist es für den Mündener Archäologen jedes Mal spannend, wenn er auf einen Fund stößt. So wie jetzt in der Baulücke an der Langen Straße 92.

Ein Fund, der noch Rätsel aufgibt: Auf dem Gelände des beim Großbrand 2008 zerstörten Gebäudes an der Langen Straße 92 hat Axel Demandt historische Zeugnisse im Erdreich entdeckt. Dies könnte ein Brunnen sein. Fotos: Müller
Bevor am kommenden Montag der Grund des Geländes, dessen Gebäude vor zwei Jahren beim Großbrand zerstört wurde, für einen erneuten Bau vorbereitet werden soll, entdeckte Demandt unter der Erde historische Relikte aus vergangenen Zeiten.
Demandt: „Wir sind hier im Altstadtbereich Mündens. Unter der Erde wird es fast überall etwas geben. Die Frage ist nur, wie bedeutend sind die Funde?“ Im Fall der Langen Straße handelt es sich offenbar um seltene Stücke. „Wir haben hier eine Mauer entdeckt, die wohl aus dem 13. Jahrhundert stammt“, erklärt der Archäologe. Funde diesen Alters seien rar, sie bieten einen direkten Einblick in die Frühzeit der Stadt – 1183 bekam Münden Stadtrechte.
„Es sind die einzigen Zeugnisse , da alle Archivalien verbrannt sind“, erklärt Stadtarchivar Stefan Schäfer, der neben Angela Sohnrey, von der Stadt ehrenamtlich beauftragt für archäologische Denkmalpflege, ebenfalls auf der Baustelle im Einsatz ist.
Das Alter der Mauer, die einst ein Grundstück begrenzt haben könnte, bestimmt Axel Demandt anhand von Keramikfunden, die in den Erdschichten verborgen liegen. „Dieses Stück ist das Randstück eines Trinkgefäßes mit einem Muster verziert, das an römische Zahlen erinnert.“ Der Archäologe datiert es auf das Spätmittelalter.
Wenige Schritte entfernt stieß Demandt auf ein Steingebilde, das er zunächst für einen Brunnen hielt. „Die Form ist aber eigentlich zu oval.“ Viel Zeit zur Lösung des Rätsels hat der Archäologe nicht. Die Ausgrabung läuft neben den regulären Bauarbeiten. Schon am Montag wird der Boden mit Beton verstärkt. Dann verschwinden die Relikte wieder unter der Erde. Was bleibt sind Fotos, Zeichnungen und einige Keramikscherben.
Von Alexandra Müller
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