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GÖTTINGEN. Kennen Sie das Gefühl, dass Ihnen manchmal die Hand ausrutscht? Wissen Sie sich manchmal nicht mehr anders zu helfen, als laut zu werden, zu schubsen oder zuzuschlagen? Und denken Sie, Ihre Partnerin oder Ihr Partner müsste sich doch bloß ändern, dann wäre alles gut?

Wenn die Hand ausrutscht: Diese Szene ist nachgestellt, aber Gewalt gegenüber Partnern und Kindern ist auch in der Region ein Problem. Der Verein Wege ohne Gewalt hilft mit Beratung und Kursen. Foto: dpa
Mit diesen Fragen beginnt eine Broschüre des Göttinger Vereins Wege ohne Gewalt (WoGe). Seit seiner Gründung vor drei Jahren bietet WoGe ein Beratungs- und Kursangebot für Menschen, mit deren Hilfe sie ihr bisheriges gewalttätiges Handeln gegen Partnerinnen, Kinder und Andere aus ihrem häuslichen Umfeld verändern können.
„Allein im vergangenen Jahr kamen in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode weit über 1000 Fälle häuslicher Gewalt zur Anzeige“, erzählt Dr. Peter Nordhoff, der zusammen mit zwei Frauen das Beraterteam bei WoGe bildet. Die Zahl der Täter, die sich auf Empfehlung des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft, aber zunehmend auch auf freiwilliger Basis Hilfe suchend an den Verein wenden, sei von Jahr zu Jahr stetig steigend - von 27 im Jahr 2007 über 36 in 2008 auf 45 in 2009. „Darunter waren im vergangenen Jahr auch zwei Frauen und drei Selbstmelder, die noch nicht handgreiflich geworden waren, nach eigener Aussage aber kurz vor dem Explodieren standen“, berichtet Nordhoff.
Wer zu WoGe kommt, der muss sich zunächst in einem Einzelgespräch mitteilen und seine Tat schildern. „Voraussetzung für die Teilnahme an einem Kurs ist, dass der Täter die Verantwortung für sein Handeln übernimmt“, sagt der 38-Jährige. Das falle vielen zunächst schwer, da die Meisten einen Großteil der Schuld bei ihrem Partner suchten.
„Hauptziel des Kurses ist es dann anschließend, eine Einstellungs- und Verhaltensänderung bei den Teilnehmern zu erzielen und ihnen alternative Verhaltensweisen aufzuzeigen.“ Dafür sei der Gruppenkurs, bei dem sich maximal acht Teilnehmer 20 Mal für jeweils zwei Stunden treffen, das Mittel der Wahl. „In der Gruppe ist es schließlich viel schwieriger, sich mitzuteilen und zu öffnen“, so der psychologische Berater. Außerdem gebe es in einer solchen Gruppe ein hohes Maß an Erfahrungsaustausch.
„Die Kunst besteht darin, einerseits eine Verbindung zu den Männern und Frauen herzustellen, diese aber gleichzeitig auch heftig zu konfrontieren.“
Nordhoff betont, dass es sich bei den Gruppensitzungen nicht um eine Therapie, sondern vielmehr um ein Training handelt.
Die Tatsache, dass es im vergangenen Jahr nach Auskunft der Staatsanwaltschaft unter den Teilnehmern keinen Rückfall gegeben hat, spricht für die Methodik. „Allerdings hat das nicht sehr viel zu bedeuten, da es gerade auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt eine hohe Dunkelziffer gibt“, schränkt Nordhoff ein.
Von Per Schröter
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