Landkreis Göttingen. Das Schmallenberg-Virus ist in aller Munde. Nachdem das neue Virus nun auch Südniedersachsen erreicht hat, herrscht bei den Schäfern und Rinderzüchtern der Region große Verunsicherung. Das zeigte sich auch am Montagabend beim Schäferstammtisch in Bovenden bei Göttingen, bei dem mit 50 Teilnehmern aus Südniedersachsen und Nordhessen ungewöhnlich großer Andrang herrschte.
„Ich habe im Januar selbst schon zwei Fälle gehabt“, erzählt Karl-Heinz Kempe. Der Schäfer aus dem hessischen Weserdorf Oedelsheim bei Bursfelde hat 50 Muttertiere, die alle im Januar gelammt haben. „Ich wusste nichts von einem solchen Virus und konnte es zunächst überhaupt nicht einordnen, als zwei Lämmer mit Missbildungen geboren wurden.“
Zum einen habe ihn die Tatsache selbst erschüttert, zumal beide Tiere nach kurzer Zeit gestorben seien. „Zum anderen stellt das ein echtes Problem für die Muttertiere dar“, so Kempe. Da die vom Virus betroffenen Lämmer immer mit den Hinterbeinen zuerst zur Welt kämen und oft stark deformiert seien, sei eine natürliche Geburt nicht möglich. „Und wenn jemand nicht in der Lage ist, Geburtshilfe zu leisten und das Lamm im Körper der Mutter zu drehen, dann ist die Gefahr groß, dass auch sie stirbt.“ Seitdem schaut der Oedelsheimer lieber einmal mehr nach seinen Schafen: Zum ersten Mal morgens um fünf und zuletzt nachts um halb zwölf.
Um über den Stand der Forschung zu berichten, hatte der Veranstalter des Schäferstammtisches, der Landschaftspflegeverband des Landkreises Göttingen, Fachtierärztin Antje Hamann-Thölken von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingeladen.
„Derzeit wird mit Hochdruck an der Entwicklung eines Bluttests und eines Impfstoffes gearbeitet“, erzählte sie. Besonders wichtig sei die Entwicklung eines verlässlichen Bluttests, um tatsächlich jeden Fall nachweisen zu können.
„Derzeit dürften wir noch eine hohe Dunkelziffer haben, da das Virus nur bei der Hälfte der missgebildeten Lämmer nachgewiesen wird“, so Hamann-Thölken.
Auf die Frage, wie das Virus zu bekämpfen sei, riet die Expertin zum Schutz vor einem Befall durch Mücken, da diese als Überträger gelten. „Wichtig ist, dass jeder Fall gemeldet wird, damit die Verbreitung des Virus nachvollzogen werden kann“, betonte Hamann-Thölken.
Dies sei auch die Grundvoraussetzung dafür, dass das Schmallenberg-Virus möglichst schnell als Tierseuche eingestuft werden und betroffene Schäfer einen finanziellen Ausgleich durch die Tierseuchenkasse erhalten könnten. (per)



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