Moringen. Die Geschichten des frechen Frischlings Willi Wildschwein kennen viele Kinder. Kein Wunder, dass die Aufregung im evangelischen Kindergarten Moringen groß war, als die Hauptfigur aus dem Kinderbuch von Kai Hofmann jetzt persönlich mal vorbeischaute.
Andrea Kinas aus Moringen hat diese Begegnung möglich gemacht, denn die engagierte Tierfreundin zieht das kleine Wildschwein, das in Dransfeld bei Forstarbeiten zusammen mit drei toten Geschwistern gefunden wurde, zu Hause auf.
„Der Kontakt kam über Gaby Sindram zustande, die hier in Moringen eine Aufzuchtstation für den Nabu betreibt“, sagt Kinas, die in Sachen Tieraufzucht schon viel Erfahrung hat. „Ich kann einfach nicht nein sagen, wenn ein Tier Hilfe braucht. Aber das funktioniere nur, weil wir alle Tiernarren sind und weil die ganze Familie mitzieht und hilft.“
Dass man im Hause Kinas ein großes Herz für Tiere hat, sieht man sofort, wenn man sich auf dem Grundstück an der Hagenbergstraße umschaut. Dort fühlen sich drei Kaninchen, 18 Hühner und zwei Nonnengänse wohl. Hinzukommen drei Katzen, Dackel Atze und Münsterländer Pinto als tierische Hausgenossen – und derzeit eben Willi Wildschwein, der ursprünglich auf den Namen Rosalie getauft wurde.
„Weil wir nicht richtig hingeschaut haben“, sagt Kinas schmunzelnd. Als der Irrtum bemerkt wurde, war schnell klar, dass der kleine Eber Willi heißen muss – nach dem Kinderbuch, das ihr Enkel Jonas Sölter aus dem Kindergarten kannte. „Als wir Willi bekamen, war er erst drei oder vier Tage alt“, sagt Kinas. „Wir mussten ihm Tag und Nacht alle zwei Stunden ein Fläschchen geben.“
Inzwischen ist Willi aus dem Gröbsten raus und erkundet neugierig mit seinem Rüssel die Welt. Was mit ihm passieren wird, wenn er groß ist, steht noch nicht fest. Auf keinen Fall wird er aber im Kochtopf enden. „Wenn der Braten einen Namen hat, schmeckt er nicht“, sagt Kinas, die als angehende Jägerin ansonsten keine Probleme damit hat, dass Tiere auch gegessen werden.
„Wir haben überlegt, ober wir ihn behalten und zum Fährtenschwein ausbilden lassen“, sagt Kinas, deren Lebensgefährte begeisterter Jäger ist. „Schweine sind genauso gelehrig wie Hunde. Vielleicht kommt er aber auch in einen Tierpark oder wir lassen ihn frei.“
Falls Willi in den Wald zurückkehren sollte, wird er eine riesige Ohrmarke erhalten, damit er schon aus großer Entfernung von Jägern zu erkennen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dann verschont wird, ist groß, denn immerhin hat er mit dem kompletten Jungjägerlehrgang 2011/2012 der Jägerschaft Northeim 21 künftige Waidmänner und -frauen als Paten.
Von Niko Mönkemeyer
Rubriklistenbild: © Mönkemeyer


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