Northeim. Es war ein Routine-Einsatz, als die 30-jährige Polizeikommissarin Jenny Dreyer in Northeim mit einer Kollegin aus dem Streifenwagen stieg. Doch dann kam eine überraschene Begrüßung: „Och, das ist ja niedlich. Zwei Mädchen.“
Das sagte bei einem Einsatz ein Mann zu den beiden Beamtinnen. Solche Reaktionen sind keine Seltenheit, wenn zwei Polizistinnen auf Streife sind. Und noch heute ist das anscheinend kein gewohnter Anblick in Northeim.
Davon, dass Frauen bei der Polizei genau so routiniert, engagiert und erfolgreich arbeiten wie ihre männlichen Kollegen, konnte sich HNA-Redakteurin Kathrin Plikat bei einem gemeinsam Streifendienst mit Jenny Dreyer und ihrer Kollegin, der 44-jährigen Polizei-Oberkommissarin Karen Schroeder, überzeugen.
Um 13.30 Uhr ist an diesem Freitagnachmittag Dienstbeginn auf der Polizeiwache. Zunächst findet die Übergabe mit der Vorschicht statt, aktuelle Fälle werden besprochen. Es ist auch Zeit für ein paar private Gespräche.
Dann geht es das erste Mal auf Streife. Am Steuer sitzt Karen Schroeder, sie lenkt den Streifenwagen zunächst im Schritttempo durch die Northeimer Fußgängerzone. Viele Passanten schauen ins Auto, sehen die beiden Frauen – und lächeln.
„Das ist eine Reaktion, die wir oft erleben“, erzählt Jenny Dreyer. Sie ist der festen Überzeugung, dass Beamtinnen deeskalierend wirken. „Dann gehen die Aggressionen runter. Anders, als es die männlichen Kollegen oft erleben.“
Am Schuhwall halten die Frauen einen beigen VW Golf an, am Steuer ein junger Mann. Sein Beifahrer hat eine Flasche Bier in der Hand. Es ist 14.30 Uhr. Der Fahrer stimmt einem Alkohol-Test zu. Der fällt negativ aus. Auch der nachfolgende Drogen-Test. Die beiden können ihre Fahrt fortsetzen. Beim Vorbeifahren an der Sixti-Kirche winkt uns eine Frau aufgeregt zu: Sie wollte gerade zur Polizei fahren, weil ihr jemand eine dicke Schramme ins Auto gefahren hat. Aber nun ist die Polizei ja schon da. Sie freut sich sichtlich über so viel weibliche Hilfe.
Dann geht es weiter, wir fahren über den Parkplatz eines Einkaufsmarktes. Dort fallen uns zwei Jugendliche auf, die dort auf einer Leitplanke sitzen, vor sich eine Kiste Bier. Beide haben Flaschen in der Hand. Wir kontrollieren sie. Einer von ihnen ist erst 16. Auch er muss pusten. Das Ergebnis: Mehr als 1,2 Promille, Für ihn ist die Party damit vorbei. Wir bringen ihn zur Wache, wo ihn seine vorher telefonisch informierte Mutter wenig später abholt. „Das gibt Stress“ hatte er vorher im Streifenwagen gesagt. Nun ja... Man muss ja mit 16 an einem Freitagnachmittag ja auch nicht mit 1,2 Promille auf einem Parkplatz sitzen und Bier trinken...
Der nächste Einsatz: Der Besitzer einer kürzlich in der Fußgängerzone eröffneten Gaststätte vermutet, dass jemand in seine Bar einbrechen wollte. Vor der Tür steht ein Haufen junger Männer. Ihre Minen erhellen sich, als diesmal sogar drei Frauen aus dem Streifenwagen steigen. Alle grinsen.
An der Eingangstür ist das Holz beschädigt. Doch der geschulte Blick der beiden Beamtinnen zeigt schnell: Das Holz ist vermutlich durch Ermüdung etwa gesplittert. Kein Einbruch. Dafür dürfen wir uns die neue Kneipe mal ansehen. Echt schick.
Die Stunden vergehen, wir fahren zu richtigen Einbrüchen, auch die Kollegen der beiden Frauen sind ununterbrochen im Einsatz. Kurz vor Schichtende müssen Jenny Dreyer und Karen Schroeder ihre Arbeit noch dokumentieren. Das heißt schreiben, schreiben, schreiben...
Schichtende ist um 20.30 Uhr. Jenny Dreyer fährt nach Osterode zu ihrer Familie. Karen Schroeder kann gemeinsam mit ihrem Ehemann Feierabend machen – denn der ist auch Polizeibeamter. Jetzt ist Ausruhen angesagt. Der nächste Dienst kommt bestimmt.
Von Kathrin Plikat



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