Northeim. Seit Jahren registriert der Sozialverband Deutschland im Landkreis Northeim einen stetigen Anstieg von Fällen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 957 neue Verfahren von der Northeimer Geschäftsstelle bearbeitet.
„Es ist eigentlich kein gutes Zeichen, wenn wir viel zu tun haben“, sagt Marcos Prieto, Leiter des Beratungszentrums in Northeim. „Ich glaube, früher war es einfacher, bestimmte Leistungen zu erhalten.“ Hin und wieder muss der Jurist die Ratsuchenden sogar zu ihrem Glück zwingen. „Es gibt Leute, die mit einem Minijob gerade so über die Runden kommen und trotzdem keine Leistungen beantragen“, sagt Prieto. „Ich finde, das ist falsche Bescheidenheit.“ Nicht selten stehen Existenzen auf dem Spiel.
Wenn die Mitglieder Hilfe suchen, geht es in der Regel um Zahlungen der Renten-, Kranken- oder Pflegeversicherung. Fünfstellige Verhandlungssummen sind da keine Ausnahme. Fast die Hälfte der Fälle betrifft die Rentenversicherung.
Arbeitslose nehmen die Unterstützung des Sozialverbandes nur selten in Anspruch. „Leider gibt es viele, für die fünf Euro Mitgliedsbeitrag im Monat schon zu hoch sind“, sagt Prieto.
„Wir hatten eine Dame bei uns, die über 14.000 Euro auf einen Schlag zurückzahlen sollte“, erzählt Rechtsberaterin Sabrina Endig. Dabei lag die Schuld bei der Rentenversicherung: Die Sachbearbeiter verwechselten Euro und D-Mark. Erst nach zwei Jahren fiel ihnen der Fehler auf und sie verlangten prompt den Überschuss zurück. Eine enorme Belastung für die Rentnerin. „Sie war schon sehr aufgelöst“, sagt Endig. „Bei den Rentenzahlungen heute hätte sie die Summe kaum zurückzahlen können.“
Der Fall nahm ein gutes Ende. Das lag vor allem daran, dass die Rentnerin ihre Unterlagen gut sortiert hatte. Schon zu Beginn der Zahlungen war ihr aufgefallen, dass etwas nicht stimmen konnte. Schriftlich fragte sie nach und bekam auch Antwort.
„Am besten ist es, immer alles schriftlich zu regeln und die Papiere aufzuheben“, rät Prieto. Ohne die Unterlagen hätte sie keine Chance gehabt. „Als der Bescheid kam, freute sie sich wie ein Schneekönig“, erzählt Endig.
Dass die Hilfesuchenden emotional reagieren, sei nicht selten. „Da spielen natürlich Existenzängste mit.“, sagt Endig. Viele Schicksale berühren die Juristin: „Die meisten Geschichten sind traurig.“ (vsz)
Rubriklistenbild: © HNA-Archiv


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