Uslar. Einige waren noch Kinder, als sie während des Zweiten Weltkrieges mit ihren Familien und Verwandten aus ihrer früheren Heimat in den deutschen Ostgebieten nach Deutschland flüchteten, andere waren als Spätheimkehrer selbst vom Krieg betroffen.
Im Uslarer Museum trafen sich jetzt 25 Menschen, um über ihre Erlebnisse aus der Zeit vor 60 und mehr Jahren zu sprechen.
Es waren Zeitzeugen, die teilweise um Fassung ringen mussten, als sie von der Flucht im überfüllten Güterwaggon berichteten, von ihren erbärmlichen Lebensbedingungen in den russischen Arbeitslagern und den manchmal hoffnungslos machenden Gedanken während der Heimkehr lange nach Kriegsende in eine ungewisse Zukunft.
Drei Ex-Kriegsgefangene berichteten und sorgten für sichtliche Anteilnahme der Zuhörer. Franz Grützner aus Gierswalde hatte seinen Entlassungsschein aus dem Lager Friedland dabei, das für tausende nach den Kriegswirren die erste Anlaufstelle war.
Adolf Fischer aus Uslar hatte gar ein Foto dabei und berichtete nicht nur anschaulich Erlebnisse aus seiner Gefangenschaft, sondern auch von der Suche seiner Eltern. Die waren während seines Kriegseinsatzes aus dem Sudetenland geflüchtet und in Vernawahlshausen gelandet.
Es sei damals ein großes Problem für ihn gewesen, nicht mehr in seine eigentliche Heimat zurückzukehren und überhaupt seine Familie wiederzufinden. Fischer rang mit der Fassung, als er sein Schicksal schilderte. Ähnlich Willi Henne aus Vernawahlshausen, der berichtete, dass es den Russen, mit denen die deutschen Wehrmachtssoldaten auf Höfen und in Betrieben zusammen arbeiten mussten, auch nicht besser ging.
Man habe sich Brennnesseln gepflückt, um daraus eine Suppe zu kochen, weil die Versorgung katastrophal gewesen sei. Erst 1950 wurde Henne aus der Gefangenschaft tausende Kilometer entfernt von der Heimat entlassen. Die Uslarer Jobst Kiso und Eberhard Tegtmeyer schilderten ihre Erlebnisse aus der Zeit, in der sie Schüler waren und ihre Familien von Kriegsereignissen wie Tod und Leid betroffen waren. Moderator des Gesprächskreises war Dr. Wolfgang Schäfer.
Ähnliche Gesprächsrunden unter anderem mit Zeitzeugen soll es im Rahmen der aktuellen 1950-er-JahreSonderausstellung im Museum geben. Thema sollen laut Schäfer Wohnungsnot und -bau sein, hieß es. (jdx)



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