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Agrarministerin Grotelüschen steht vor Rücktritt

Niedersachsens Agrarministerin Grotelüschen steht vor Rücktritt

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Hannover. Niedersachsens umstrittene Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) steht nach Informationen unserer Zeitung unmittelbar vor dem Rauswurf. „Am Freitag ist sie weg“, hieß es am Donnerstag aus Kreisen der schwarz-gelben Koalition.

Für zehn Uhr heute hat Ministerpräsident David McAllister seine CDU-Fraktion zu einer Sondersitzung zusammengetrommelt. „Bericht des Ministerpräsidenten“ lautet der Hauptpunkt auf der Tagesordnung.

„Da geht es bestimmt nicht um die Schulreform“, erklärte ein Abgeordneter. McAllister werde den „Rücktritt“ der Ministerin bekanntgeben und einen Nachfolger präsentieren. Dieser soll dem Vernehmen nach aus dem Raum Oldenburg stammen, aber nicht der Fraktion angehören. Deren eigener Agrar-Experte, Clemens Große Macke aus Cloppenburg, ist beim Regierungschef nicht sonderlich gelitten. Auch Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke, der seit langem mit dem Chefposten liebäugelt, werden keine Chancen eingeräumt; er soll vielmehr sogar selber auch seinen Hut nehmen müssen. Die CDU-Spitze nehme es Ripke übel, dass er hinter dem Rücken der Ministerin den heimlichen Hausherrn gespielt und Grotelüschen mit Vorstößen etwa zum Tierschutz in die Bredouille gebracht habe.

Die Ministerin war erst Ende April vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) im Zuge einer Kabinettsumbildung berufen worden. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete sah sich sofort Vorwürfen ausgesetzt, eine Lobbyistin der industriellen Massentierhaltung zu sein. Ihr Mann Garlich Grotelüschen betreibt in Ahlhorn eine der größten Putenküken-Brütereien in Europa. Von dort belieferte Betriebe gerieten wegen tierquälerischen Zuständen in ihren Ställen unter Beschuss. Gegen ein Unternehmen in Wildeshausen, an denen die Firma Grotelüschen beteiligt ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen illegaler Beschäftigung. Ehemalige Mitarbeiter eines Schlachthofs, in dem Astrid Grotelüschen vor ihrer Ministerzeit Prokuristin war, bezichtigen sie ausbeuterischer Billiglöhne.

Zwar wehrte sich die Ressortchefin gestern mit einer Strafanzeige wegen Verleumdung. Doch der Rückhalt in den eigenen Reihen war da längst dahin. Sie habe keinen Draht zur Fraktion und zum Ministerpräsidenten. Zuletzt hatte sogar die Geflügelindustrie, die sich in Verruf gebracht fühlte, McAllister gedrängt, sich des Personalproblems zu entledigen.

Rubriklistenbild: © dpa

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