Tiftlingerode. Vor zehn Jahren sorgte Tiftlingerode bundesweit für Schlagzeilen. Mit der Aussicht auf kostenlose Reisen, Gratiswindeln und andere Preise wollte das stark überalterte Dorf bei Duderstadt im niedersächsischen Eichsfeld die Fruchtbarkeit seiner Bewohner steigern.
Damaliges Ziel von Bürgermeister Gerd Goebel (CDU): Den jahrelangen Abwärtstrend der Einwohnerzahl stoppen und die Zahl der Bürger von 976 auf mindestens 1000 steigern.
Vier Jahre später war es so weit. Die Schallmauer war durchbrochen. Die Familie des 1000. Einwohners bekam Preise, Sachgeschenke und Dienstleistungen im Wert von rund 15 000 Euro, wie Goebel sich erinnert. Und da die Gemeinde mit preiswertem Bauland sowie allerlei Vergünstigungen und Zuwendungen auch rund 30 neue junge Familien anlocken konnte, stieg die Einwohnerzahl nach und nach sogar bis auf 1020, obwohl die Sterberate hoch blieb. „Unser Erfolg war einzigartig in einer Gegend, in der die Dörfer alle schrumpfen“, sagt der Bürgermeister. Die Initiative fand allerhöchste Beachtung. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler nannte sie ein „leuchtendes Beispiel“ für Deutschland.
Doch zehn Jahre später nützen auch alle Prämien im Eichsfeld nichts mehr. „Inzwischen hat trotz aller Bemühungen auch uns der demografische Wandel eingeholt“, klagt Bürgermeister Goebel heute. In den beiden vergangenen Jahren schrumpfte die Einwohnerzahl wieder auf 960 Bürger. Die Zahl der Sterbefälle lag wieder deutlich über derjenigen der Geburten. Und was noch schwerer wiegt: „Viele junge Leute ziehen weg, weil sie in den Ballungsräumen bessere Zukunftschancen sehen“, sagt Bürgermeister Goebel.
Unterkriegen lassen wollen sich die Tiftlingeröder trotzdem nicht. „Wir arbeiten jetzt an neuen Konzepten“, sagt Goebel. Vielleicht lasse sich etwas machen mit betreutem Wohnen für Ältere oder generationenübergreifendem Zusammenleben. Aber damit sei das Dorf noch ganz am Anfang.
Und Tiftlingerode ist erfinderisch: Jungen Familien bot Goebel an, als Bürgermeister zwei Mal im Monat den Babysitter zu spielen. Und erst vor zwei Jahren wurden den Einwohnern kostenlos ofenfrische Brötchen spendiert, gespendet vom Bäckermeister. Sie hingen morgens an den Haustürklinken. (lni)
Von Matthias Brunnert



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