Walsrode. Astrid Grotelüschen ist in ihrem Element. Niedersachsens CDU-Agrarministerin verteilt Kräuterquark an die Kinder und leckt sich die Reste vom Finger. „Mmmh, lecker, habt ihr auch schon probiert?“ Angelina, Patrick und die anderen Erstklässler strahlen. Beim Besuch der Markt-Schule in Walsrode geht es um gesundes Essen. Die neuen Attacken wegen angeblicher Puten-Quälereien sind da weit weg.
Fast eine halbe Stunde schnippelt Grotelüschen, selbst Mutter von drei Söhnen im Teenie-Alter, mit den Sechsjährigen Paprika, Möhren und Gurken. „Essen hat mit Genießen zu tun“, sagt die studierte Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin. Genauso wichtig jedoch seien die sozialen Aspekte - gemeinsame Mahlzeiten, das Einhalten von Tischregeln. Damit könne man nicht früh genug anfangen, im Kindergarten etwa. „Aber wir dürfen auch die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung lassen.“
Gute Ernährung will die gebürtige Rheinländerin, die zuhause in Ahlhorn mit „meinen vier Männern“ gern kocht und immer eine mit belegtem Vollkornbrot und Obst gefüllte Pausenbox mit auf Dienstreisen nimmt, zu einem Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit machen. „Wenn denn endlich etwas mehr Ruhe einkehrt“, seufzt die 45-Jährige.
Noch immer steht die Ministerin, die vor einem halben Jahr vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) ins Amt berufen wurde, wegen der Putenbrüterei ihres Mannes Garlich Grotelüschen unter Beschuss. In geschäftlich eng verbundenen Partnerbetrieben würden die Puten qualvoll gemästet, lautet der Vorwurf der Tierschutzorganisation Peta, den sich SPD, Grüne und Linke im Landtag zu eigen gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat zwar die Ermittlungsverfahren gegen die Grotelüschens eingestellt; Peta und Opposition schießen aber munter weiter. „So etwas stecken Sie nicht so einfach weg“, gibt Grotelüschen zu. „Das war alles sehr verletzend.“ In ihrer eigenen CDU/FDP-Koalition habe sie aber großen Rückhalt erfahren.
Draußen bei den unzähligen Terminen auf dem Land ist die Putenmast sowieso kein Thema. In Waffensen bei Rotenburg, einem schmucken 900-Seelen-Dorf, fachsimpelt die Ministerin mit jungen Landwirten, die sich mit pfiffigen Geschäftsideen erfolgreich dem Strukturwandel entgegenstemmen. Transparenz und Regionalität, darauf komme es an, sagt Grotelüschen. „Mit einer falschen Romantik kommen wir nicht weiter.“
Ihre Kritiker werfen der Ministerin wegen ihrer Herkunft Lobbyismus für die industrielle Massentierhaltung vor; sie könne und dürfe gar nicht für kleine und ökologische Betriebe sprechen. Grotelüschen, die während des Studiums in Bonn zwei Jahre lang in einem vegetarischen Restaurant gearbeitet hat, weist dies fast gekränkt zurück. „Das ist kein Widerspruch.“ Für sie komme es auf eine leistungsstarke Landwirtschaft in Niedersachsen an, weil daran viele Jobs und eine große Wertschöpfung hingen - unabhängig von der Produktionsart. „Ich möchte, dass wir die Menschen mit unseren niedersächsischen Produkten zufrieden stellen.“
Von Peter Mlodoch



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