Gorleben. Irgendwo im 99 Meter langen Bohrloch rüttelt die Doppelpackersonde. Ein Schlauch pumpt Stickstoff in zwei Gummimanschetten, ein Kabel liefert Daten über die Druckverhältnisse auf den Bildschirm.
„Je langsamer sich der Druck abbaut, desto dichter ist das Gestein“, erklärt Messtechniker Daniel Nowotny von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) tief unten auf der 840-Meter-Sohle des Salzstocks Gorleben. Die ersten Ergebnisse sind unspektakulär; über die Eignung des Bergwerks als Endlager für hochradioaktiven Atommüll liefern sie jedenfalls keine entscheidenden Erkenntnisse.
Ein paar Meter weiter liegt dagegen eine wahre Problemzone. Zwischen den Schichten von altem und jungem Steinsalz befindet sich Anhydrit, ein brüchiges Mineralgestein. Der breite Stollen ist eigens mit einem Gittergleitbogen ausgebaut, um Abbrüche zu verhindern und Stabilität herzustellen. „Steinsalz ist des Bergmanns Freund“, sagt einer der 230 Gorleben-Mitarbeiter mit Blick auf dessen natürliche Standfestigkeit. „Anhydryt zieht dagegen Spannungen an und geht kaputt. Das ist nicht unser Freund.“
Und möglicherweise auch das entscheidende Hindernis für ein Endlager im Wendland. „Das ist eine der zentralen Fragen“, erläutert Wolfram König, der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und damit des Betreibers des Erkundungsbergwerks. Sein Besucher aus Hannover, Niedersachsens neuer Umweltminister Stefan Birkner (FDP), runzelt die Stirn.
Gut zwei Wochen nach seinem Amtsantritt will Birkner sich ein Bild vom Stand der Arbeiten unter Tage machen. Und gleichzeitig für den Kompromissvorschlag der CDU/FDP-Landesregierung werben, ab Herbst eine Art neue Ruhepause für Gorleben einzulegen.
„Wir möchten zwischen zwei Extremen vermitteln“, sagt der Minister. Die einen – Birkner meint Grüne und Atomgegner – wollten am liebsten sofort den Hammer fallen lassen.
„Die Geologie entscheidet, nicht die Politik.“
Umweltminister Stefan BirKner
Die anderen wollten Gorleben schnell zu Ende erkunden und am besten auch gleich zum Endlager ausrufen, meint der Ressortchef mit Blick auf den Süden der Republik. Sein Plan, den er demnächst Bund und anderen Ländern schmackhaft machen will: Bis zum September laufen die bis dahin genehmigten Erkundungsarbeiten noch, danach ist aber vorerst Schluss.
Dann nämlich soll die erste große Phase der Alternativsuche beginnen – auf der Basis eines neuen Endlagersuchgesetzes: die Festlegung möglicher anderer Standorte mittels obertägiger Erkundungen. Rund acht Jahre veranschlagen die Experten dafür. Solange würde dann in Gorleben ein Stopp herrschen, also bis 2020, hofft der Minister, ohne das rot-grün-belastete Wort „Moratorium“ in den Mund zu nehmen. Wenn es an den anderen Standorten in die Tiefe ginge, käme auch der Salzstock im Wendland wieder ins Spiel. Nehme man das Bergwerk jetzt raus, bekäme man nirgends anders Akzeptanz für ein Endlager. „Die Geologie entscheidet, nicht die Politik.“
Von Peter Mlodoch



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