Flughafen-Gegner geben nicht auf

Ausbau des Forschungsflughafens Braunschweig: Insekt soll Verlängerung der Startbahn stoppen

Flughafen-Gegner geben nicht auf

001.09.1001.09.10|Niedersachsen|
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Braunschweig. Er gilt als flugträge, legt in seinem ganzen Leben höchstens zwei Kilometer zurück. Dennoch spielt er auf dem Braunschweiger Flughafen eine große Rolle: der Eremit, ein von der EU geschützter Käfer. Obwohl die Verlängerung der Startbahn von 1700 auf 2300 Meter längst höchstrichterlich abgesegnet ist und 30 Hektar Wald gefällt sind, wollen die Gegner nicht aufgeben. Mit Hilfe des seltenen Insekts hoffen sie nun das Vorhaben stoppen zu können.

Größter Forschungsflughafen Deutschlands: Die Startbahn des Regionalflughafens Braunschweig soll von 1700 auf 2300 Meter verlängert werden. Gegner kämpfen seit zehn Jahren gegen den Ausbau an. Foto:  dpa

Größter Forschungsflughafen Deutschlands: Die Startbahn des Regionalflughafens Braunschweig soll von 1700 auf 2300 Meter verlängert werden. Gegner kämpfen seit zehn Jahren gegen den Ausbau an. Foto:  dpa

Geschäftsflüge von VW

„Da sind die Messen gesungen“, sagt der Geschäftsführer des Flughafens, Boris Gelfert. Schließlich habe das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig schon 2009 festgestellt, dass die Bahn in ein Europäisches Vogelschutzgebiet hereinragen darf. Es überwiege das Interesse, die Zukunft der Forschungseinrichtungen am Flughafen zu sichern.

„Es ist der größte Forschungsflughafen Deutschlands und der zweitgrößte Europas“, hebt Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) hervor. Die Stadt hält neben VW und umliegenden Kommunen 42,6 Prozent am Flughafen. Unter anderem sind dort das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Luftfahrtbundesamt (LBA) angesiedelt, hinzu kommen Firmen. Zudem wird der Regionalflughafen von Unternehmen, vornehmlich von Volkswagen, für Geschäftsflüge genutzt. Frachtflüge spielen keine nennenswerte Rolle.

Die Befürworter des rund 38 Millionen Euro teuren Ausbaus sagen, alle Anlieger würden von der längeren Startbahn profitieren. „Für die Forschung ist die Verlängerung nicht zwingend nötig“, betont dagegen Uta Ernst von einer Bürgerinitiative, die seit fast zehn Jahren gegen das Projekt angeht. Unzählige Gutachten wurden geschrieben. Der Naturschutzbund und Anlieger haben das Bauvorhaben vom Gericht prüfen lassen - und unterlagen.

Im Wohnzimmer von Uta Ernst stapeln sich die Akten: Von Gerichtsbeschlüssen bis hin zu einer Anzeigenkampagne von VW, in der das Unternehmen sich als umweltfreundlich darstellt. Noch bis zu diesem Donnerstag gehören VW rund 35,6 Prozent des Flugplatzes. Die Anteile gehen jedoch heute in den Besitz der Flughafengesellschaft über.

Als größtes Unternehmen in der Region bleibt VW jedoch einer der größte Privatnutzer des Platzes. So ist von den Gegnern zu hören, der Ausbau sei vor allem für die Fernflüge des Topmanagements nötig. Die Vermutung, die längere Startbahn sollte der Ansiedlung eines Luftfracht-Unternehmens dienen, wurde dementiert.

Oberbürgermeister Hoffmann sieht der Zukunft gelassen entgegen: „Vieles, was seit Jahresbeginn über die Bühne geht, ist durch nichts gerechtfertigter Klamauk.“ Und der Eremit? Uta Ernst und andere Gegner haben der EU-Generaldirektion für Umwelt den Fund gemeldet. Auf eine Antwort warten sie noch. (lni)

Von Anita Pöhlig

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