Hannover / Göttingen. Hartnäckige Schulschwänzer sind in allen niedersächsischen Städten ein großes Problem. Die Kommunen haben bereits zahlreiche Programme aufgelegt, um lernunwillige Jugendliche zurück auf die Schulbank zu bringen.
Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.Die Zahl der Schulverweigerer ist landesweit in den letzten fünf Jahren gestiegen. Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass das Problem konsequenter angepackt wird als in der Vergangenheit. Schulen zeigen Schwänzer früher an, wenn pädagogische Maßnahmen nicht fruchten.
In Hannover entzieht das Amtsgericht in besonders schweren Fällen den Eltern seit Dezember sogar das Sorgerecht in schulischen Dingen. Den Jugendlichen wird ein Betreuer zur Seite gestellt, der für Bildungsangelegenheiten verantwortlich ist. Hat das permanente Fehlen psychische Ursachen, ist auch ein Entzug des Sorgerechts in Gesundheitsdingen möglich.
Dieser Eingriff in die Rechte der Eltern wird in anderen Städten kritisch gesehen. Osnabrück etwa lehnt einen Sorgerechtsentzug für Eltern schwänzender Kinder ab.
Die Höhe der Bußgelder schwankt in den Städten zwischen 50 und 230 Euro bei der ersten Anzeige. Jungen sind unter den Schwänzern leicht in der Mehrheit. An Haupt- und Berufsschulen ist das Problem besonders gravierend.
Göttingen verzeichnete voriges Jahr 330 Bußgeld-Verfahren wegen Schulverweigerung. Zehn Jahre zuvor waren es nur 174 Verfahren. Das Jugendamt wird in jedem Fall informiert.
Hannover verhängte 2011 in 1119 Fällen Bußgelder gegen Schulschwänzer, 2010 waren es noch 937 Fälle. „Unser Anliegen ist, frühzeitig bei Schulversäumnissen tätig zu werden“, so eine Sprecherin.
In Braunschweig wurden 2011 in 463 Fällen Bußgelder verhängt, 2010 waren es 409 Fälle. Die Zahl der Anzeigen sei von 269 im Jahr 2000 auf 679 in 2011 gestiegen. Dies liege auch am konsequenteren Verfolgen von Schulschwänzern. In der Regel zahlen die Eltern das Bußgeld. Bei über 14-Jährigen wird es meist in Arbeitsstunden umgewandelt.
Eine wichtige Rolle spielen Schulsozialarbeiter. Die „Koordinierungsstelle Schulverweigerung - die 2. Chance“ betreut schulmüde Schüler intensiv und begleitet sie morgens zur Schule.
Osnabrück verzeichnet einen Rückgang der Zahl der Schulschwänzer seit vor vier Jahren ein Präventionsprogramm eingeführt wurde. 2011 gab es 334 Bußgeldbescheide. (lni)



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