Hannover. Für die Muslime in Niedersachsen ist es ein großer Schritt nach vorne: Vom kommenden Jahr an startet islamischer Schulunterricht als reguläres Fach. Das Land hofft auf mehr Einfluss auf die Bildung junger Muslime, um Extremismus vorzubeugen.
Statt in Hinterhofmoscheen möchte Niedersachsen, dass muslimische Kinder Religionsunterricht ebenso wie Protestanten, Katholiken und Juden auch an der Schule erhalten. Vom Schuljahr 2013/14 an soll islamischer Religionsunterricht nun als reguläres Schulfach unter staatlicher Aufsicht eingeführt werden. Das teilte das Kultusministerium am Freitag in Hannover nach der Gründungsversammlung des Beirats der muslimischen Verbände Ditib und Schura mit.
Das Ministerium hatte ein solches zentrales Ansprechorgan von der muslimischen Gemeinschaft verlangt, um den Unterricht organisieren zu können. Auch Hessen und Nordrhein-Westfalen stehen in den Startlöchern, um islamischen Religionsunterricht anzubieten.
Die rund 49 000 Schüler muslimischen Glaubens in Niedersachsen sollen ab 2013 an den Grundschulen und von 2014 an in den Klassen fünf bis zehn in ihrem Glauben unterrichtet werden. Vorangegangen war seit 2003 ein Modellversuch, bei dem islamischer Religionsunterricht am Ende in 43 Grundschulen unterrichtet wurde.
„Die Erfahrungen aus dem Schulversuch waren sehr hilfreich“, sagte Ministeriumssprecherin Corinna Fischer. So könne auf die bereits erstellten Lehrpläne aufgebaut werden. Die Ausbildung der Lehrer soll an der Universität Osnabrück gestehen.
Zwar lobten Ministerium und Verbände am Freitag ihre konstruktive Zusammenarbeit - im Vorfeld hatte es allerdings auch Spannungen gegeben. Während der Landesverband der Muslime, die Schura, sich schon seit längerem zur Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium bereit erklärt hatte, hatte sich die staatliche türkische Moscheegemeinschaft Ditib schwer getan.
Dabei war es darum gegangen, möglichst viel Einfluss auszuüben und auch Lehrer aus der Türkei einzusetzen. Das Ministerium hatte daraufhin damit gedroht, den Religionsunterricht ohne die Ditib zu starten.
„Wichtig ist uns immer, dass das Ganze von uns kontrolliert wird und die Lehrpläne in Niedersachsen entwickelt werden“, betonte die Ministeriumssprecherin. Dabei werde auch berücksichtigt, dass der Unterricht sich nicht nur an Kinder mit türkischen Wurzeln sondern an Muslime unterschiedlicher Herkunft richtet.
So habe während des Schulversuchs türkischen Eltern klargemacht werden müssen, dass ihre Kinder in islamischer Religion auch von einer aus Tunesien stammenden Lehrerin unterrichtet werden können.
„Das ist für die Muslime ein ganz großer Schritt“, sagte der Schura-Landesvorsitzende Avni Altiner. „Das heißt, dass die Landesregierung einen Ansprechpartner hat, der für alle Muslime auftreten kann.“
Die Geschäftsführerin des Ditib-Landesverbandes in Niedersachsen und Bremen, Emine Oguz, lobte den islamischen Religionsunterricht als einen Schlüssel zu einer besseren Integration. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion fördere auch die Toleranz gegenüber anderen Religionen. (dpa)



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