Kabinettssitzung mit Endzeit-Stimmung

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    • 22.01.13
    • Niedersachsen
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Kabinettssitzung mit Endzeit-Stimmung

McAllister und der Frust

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Hannover. Traurig, übermüdet und frustriert: Auf dem Weg zur ersten Kabinettssitzung nach der Wahl fiel Niedersachsens abgewähltem Ministerpräsidenten David McAllister das Lächeln schwer.

© dpa

Als er am Dienstag an der Ahnenreihe früherer Amtsinhaber in der Staatskanzlei vorbeischritt, passierte der CDU-Politiker die Stelle, an der wohl bald sein eigenes Porträt hängen dürfte. Trotz des rauschenden Beifalls der Kabinettsrunde nagte deutlich sichtbar der Blues am politischen Ziehsohn von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Es war eine der letzten Kabinettssitzungen, die er leitete: Endzeit in der Staatskanzlei. Selbst die Krawatte war nun nicht mehr nötig, als die knappe Tagesordnung abgehakt wurde: "Mitteilungen des Ministerpräsidenten", "Personalien" und "Verschiedenes" standen an. McAllister war in Niedersachsens "everybody's darling" - seine Popularität war ungewöhnlich hoch. Fünf weitere Jahre wollte der Halb-Schotte auf dem Chefsessel bleiben. Doch nun: Aus der Traum! Ein hauchdünner Rückstand von Schwarz-Gelb auf Rot-Grün kostete den 42-Jährigen das Amt.

Einer von McAllisters Leitsprüchen lautet: "Keep calm and carry on" - Ruhigbleiben und weitermachen! Wie dieses Weitermachen bei einem Karriere-Politiker ausschaut? "Der Ministerpräsident ist und bleibt Ministerpräsident bis zur Wahl seines Nachfolgers, er kann nicht gleichzeitig Fraktionsvorsitzender sein", hatte der niedersächsische CDU-Generalsekretär Ulf Thiele am Vortag erklärt. Die CDU-Abgeordneten im Landtag wählten daher am Dienstag auch erst einmal Björn Thümler in das Amt. McAllister selbst schloss aber bisher nicht aus, nach dem Ende seiner Amtszeit - voraussichtlich am 19. Februar - Thümler abzulösen.

Nach der Fraktionssitzung am Nachmittag stellte sich McAllister erneut dem Medienansturm - zunehmend genervt von den dauernden Fragen nach seiner Zukunft. Zögernd, ausweichend beantwortete er die Frage, ob er nach Sonntagnacht einen Ausstieg aus der Politik erwogen habe. Er sei ja mit einem überragenden Ergebnis als Direktkandidat in den Landtag gewählt worden und werde sein Mandat annehmen, sagte er. Gestärkt habe ihn auch das Merkel-Lob am Montag. Am Schluss wird aber deutlich, wie sehr er um Beherrschung kämpft. "Ich stehe hier als fröhlicher CDU-Landesvorsitzender", beginnt er und bricht ab: "Was heißt fröhlich: Ich stehe hier als CDU-Landesvorsitzender."

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Offen ist auch, ob er einen Wechsel in die Bundespolitik anstrebt, den er vor der Wahl noch kategorisch ausgeschlossen hatte. Die aus Niedersachsen stammende Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) riet ihrem Parteifreund, erstmal ein paar Tage über die knappe Wahlniederlage zu schlafen und dann über den weiteren Weg zu entscheiden. "Er ist ein wirklich brillanter Politiker, er ist eine unglaublich integrative Kraft, und wir brauchen ihn", meinte sie im ZDF-Morgenmagazin. Die Haltung, die McAllister in den Stunden der Niederlage wahrte, beeindruckte am Montag sogar SPD-Herausforderer Stephan Weil: "Wir haben heute miteinander telefoniert, und ich habe ihm gegenüber diesen Respekt noch mal ausdrücklich gezollt."

Der voraussichtliche Nachfolger McAllisters war am Dienstag schon mit ersten Weichenstellungen beschäftigt. Vor dem Hintergrund erster Spekulationen um rot-grüne Ministerspiele stand im Landtag die Stabübergabe von alten und neuen Abgeordneten an. Bei der SPD wurde zudem mit Johanne Modder die neue Fraktionsvorsitzende gewählt. Trotz aller Feierlaune ging es bei Grünen und Sozialdemokraten auch schon um die formale Vorbereitung für die Koalitionsgespräche. Sie sollen zügig aufgenommen werden, hatte Weil angekündigt. Die Grünen planen sie für kommende Woche, sobald der Parteirat das Verhandlungsprogramm abgenickt hat. (dpa)

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