822.04.1022.04.10|Niedersachsen|1 Kommentar
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Adelebsen. Der Betriebsrat des vor der Schließung stehenden Sägewerks der Klausner-Gruppe in Adelebsen (Kreis Göttingen) lässt rechtliche Schritte gegen den SPD-Landtagsabgeordneten Ronald Schminke (Hann. Münden) prüfen.

Vor dem Aus: Das Klausner-Sägewerk in Adelebsen soll geschlossen werden. Maschinen und Anlagen wurden laut Geschäftsführung bereits nach Schweden verkauft. Foto: Mühlhausen/nh
Schminke habe in der Presse wahrheitswidrig behauptet, ihm sei vom Betriebsrat eine Abfuhr erteilt worden, als er habe helfen wollen, erklärte der Betriebsrat am Donnerstag. Hintergrund sei, dass Schminke kurzfristig eine Betriebsversammlung habe besuchen wollen, ihm aber kein Zutritt habe gewährt werden können.
„Die Teilnahme von Betriebsfremden muss rechtzeitig mitgeteilt und mit dem Arbeitgeber abgestimmt oder gegebenenfalls vor dem Arbeitsgericht erstritten werden, dies geht nicht von heute auf morgen“, heißt es in der Erklärung des Betriebsrats. „Wenn Schminke sagt, er sei vom Fach, dann müsste er das eigentlich wissen.“
In der Versammlung hatte die Geschäftsführung am vergangenen Freitag die rund 200 Beschäftigten darüber informiert, dass das Sägewerk geschlossen werden soll. Diese Versammlung hatte auch der Ex-Geschäftsführer der IG Bau Südniedersachsen und heutige Landtagsabgeordnete Schminke besuchen wollen.
Er hatte nach eigenen Angaben am Tag zuvor mit der IG Bau wegen der Werksschließung telefoniert. Der Zutritt zur Versammlung sei ihm am Werkstor mit der Begründung verweigert worden, die Politik sei nicht erwünscht, hatte Schminke hinterher berichtet.
Inzwischen hat der Betriebsrat des Werks Verhandlungen mit der Geschäftsführung über einen Interessenausgleich für die Beschäftigten aufgenommen. Gemeinsam mit der IG Metall kämpfe der Betriebsrat um das Überleben des Standortes, heißt es in der Erklärung.
Am Donnerstag habe die Geschäftsleitung den Betriebsrat über Absichten und Hintergründe ihrer Planungen unterrichtet. „Die gegenseitigen Vorstellungen liegen sehr weit auseinander“, heißt es dazu. Der österreichische Konzern selbst hatte bereits am Montag gegenüber der Presse erklärt, die Maschinen und Anlagen des Adelebser Werks seien an den schwedischen Forstkonzern Södra verkauft worden. Das komplette Sägewerk solle im südschwedischen Värö wieder aufgebaut werden.
Schminke will die Werksschließung derweil zum Thema im Landtag in Hannover machen. Er hat eine formale Anfrage an die Landesregierung gestellt. Unter anderem will er wissen, ob und in welcher Höhe Klausner für den Standort Adelebsen staatliche Fördermittel erhalten hat und für welchen Zweck diese in Anspruch genommen wurden.
Das Sägewerk in Adelebsen ist das größte in Niedersachsen. Die Klausner-Gruppe hatte es vor vier Jahren aus dem Konkurs heraus übernommen und nach eigenen Angaben bis zu 100 Millionen Euro in den Standort investiert.
Von Tatjana Coerschulte
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