729.03.1029.03.10|Niedersachsen|12 Kommentare
|
|Schrift
a /
A||
Hann.Münden/Göttingen. Um zu erreichen, dass er von Hann.Münden nach Braunschweig umziehen darf, hat sich ein Asylbewerber von seinem Arzt eine Phobie gegen die Dreiflüssestadt attestieren lassen.

Furchteinflößend: Auf die Lage der Dreiflüssestadt Hann. Münden zwischen bewaldeten Bergen reagierte der Armenier mit Platzangst. Zumindest attestierte ihm dies sein Nervenarzt. Archivfoto: nh
Konkret geht es in dem Fall um einen Armenier, der im Dezember 2002 in die Bundesrepublik gekommen ist. Nachdem er erst in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Braunschweig untergebracht war, wohnte er später in Goslar und bekam dann eine Wohnsitzauflage für Hann.Münden (Kreis Göttingen).
Agoraphobie mit Panik
DIE DIAGNOSE DES NERVENARZTES
Nach zehn Monaten reichte er bei der städtischen Sozialbehörde ein ärztliches Attest ein.
In dem Schreiben bescheinigte ihm ein in Hann. Münden ansässiger Arzt für Neurologie und Psychiatrie, dass er sich unter „den hiesigen landschaftlichen Gegebenheiten in Hann.Münden mit Lage von umgebenden, bewaldeten Bergen“ zunehmend eingeengt fühle. Sein Patient entwickele „eine Agoraphobie mit Panik“.
Daher befürworte er als Nervenarzt eine örtliche Veränderung des Patienten, zum Beispiel eine Rückversetzung nach Braunschweig, wo dieser solche Probleme nicht gehabt habe.
Der zuständige Sachbearbeiter der Stadt Hann.Münden sandte das Attest an die zuständige Ausländerbehörde des Landkreises Göttingen weiter. Dabei wies er in einem Begleitschreiben durchaus humorvoll und sprachgewandt darauf hin, dass es „im Hinblick auf die Beurteilung der landschaftlichen Lage Hann.Mündens“ auch andere Meinungen gebe.
Dazu zitierte er aus Gilberts „Handbuch für Reisende durch Deutschland“ von 1795, das die „entzückende Lage der kleinen Stadt im Talkessel des Mündungsdreiecks“ preise, wo sich Werra und Fulda zur Weser vereinigen: „Die Gegend um Hann.Münden gehört zu den schönsten und einnehmendsten in Deutschland. Drei tiefe mit waldigen Bergreihen begrenzte und von breiten wasserreichen Strömen durchschlängelte Täter vereinigen sich hier wie in einem Punkt und öffnen nach allen Seiten romantische, bald wilde, bald besonders längs der Werra durch Auen und Wiesen erheiterte Aussichten.“
Der Umzugswunsch des Asylbewerbers ging indes nicht in Erfüllung. Die Ausländerbehörde in Braunschweig (die „Großstadt mit der gemütlichen Atmosphäre“) lehnte es ab, ihn aufzunehmen. Der Armenier lebt heute immer noch in Hann.Münden. Der Mann besitzt inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis.
Das Göttinger Verwaltungsgericht muss jetzt darüber befinden, ob auch seine Frau und seine Kinder in Deutschland bleiben dürfen -- im engen Talkessel zwischen den bewaldeten Bergen. (pid)
zurück zur Übersicht: Niedersachsen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.
vor 3 Stunden|Korbach/ Waldeck|0
