Römer wollten länger bleiben

Jahresbericht Kreisarchäologie: Wissenschaftler finden Vorratskeller im Römerlager bei Hedemünden

Römer wollten länger bleiben

124.01.1024.01.10|Niedersachsen|
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Hedemünden. Das Römerlager in Hedemünden bleibt eine Fundgrube für viele neue Entdeckungen. Das zeigt der jetzt herausgegebene Bericht der archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Göttingen für das Jahr 2009.

Blick in die Vergangenheit: Kreisarchäologe Kaus Grote mit einem Modell des Lagers I, das die Römer nahe des heutigen Hedemünden (Kreis Göttingen) errichteten. Archivfoto:  Socher/nh

Blick in die Vergangenheit: Kreisarchäologe Kaus Grote mit einem Modell des Lagers I, das die Römer nahe des heutigen Hedemünden (Kreis Göttingen) errichteten. Archivfoto:  Socher/nh

So fanden die Archäologen im Lager I einen drei Quadratmeter großen Keller aus Stein. Dies zeige, dass das Militärlager auf einen längerfristigen Aufenthalt eingerichtet war, sagte Kreisarchäologe Klaus Grote. Vermutlich habe es sich um einen siloartigen Erdspeicher für Lebensmittelvorräte gehandelt, die kühl gehalten werden sollten. Außerdem entdeckten die Forscher an der Ostecke des Innenraums eine mit Steinen umstellte Feuerstelle, in der sich noch Holzkohle, Eisenteile, Bleischmelztropfen und Keramikbruchstücke befanden.

Holz- und Zeltbauten

Aus den Untersuchungen ergebe sich, dass das Lager I vermutlich innen vollständig mit Holz- und Zeltbauten bebaut war, sagte Grote. Im mittleren Bereich des Lagers fanden die Archäologen bei Probeschnitten unter anderem Scherben von Vorratsgefäßen und Amphoren sowie Bronze- und Bleischmelzreste. Die häufigsten Funde waren Sandalennägel. Insgesamt haben die Archäologen seit der Entdeckung des Römerlagers 1200 Exemplare geborgen. Dass es sich um römische Nägel handele, lasse sich an einem bestimmten Merkmal eindeutig feststellen, erläutert Grote. Alle Nägel haben genoppte Unterseiten. Diese Machart habe es nur in der Epoche des Kaisers Augustus gegeben.

1200 Sandalennägel

Die Sandalennägel helfen den Forschern auch, die Marschrouten der Römer zu rekonstruieren. So haben die Archäologen den genauen Verlauf des antiken Überlandweges vom Kleinlager bei Oberode zum Hauptlager bei Hedemünden ermittelt. An diesem Außenposten im Kaufunger Wald, dem so genannten Ringwall Kring, fanden die Archäologen zahlreiche Metallgegenstände. Dazu gehörten ein Zelthering sowie Werkzeuge, Wagenbeschlagteile, ein Bleilot, Eisenschlacken und Keramikreste.

Außerdem fand sich eine Silbermünze aus den Jahren 19/18 vor Christus. Dieser Fund ist eine weitere Bestätigung, dass das Lager aus der Zeit der frühen Offensiven des Feldherrn Drusus zwischen 11 und 9 vor Christus stammt.

An dem anderen kleinen Außenposten bei Mollenfelde fanden sich ebenfalls Sandalennägel sowie eiserne Kleinteile und Abfälle aus Buntmetall und Blei. Die Archäologen vermuten, dass dieser kleine Außenposten wenige Jahre nach den anderen Lagern eingerichtet wurde. Ein Hinweis darauf könnten wiederum die Sandalennägel sein: Deren Form weicht geringfügig von dem Material ab, das im Lager bei Hedemünden gefunden wurde.

Auch Raubgräber trieben wieder ihr Unwesen. Sie richteten mit ihrer illegalen Schatzsuche teilweise beträchtliche Schäden an, heißt es in dem Jahresbericht der Kreisarchäologie. Betroffen waren unter anderem historische Wehranlagen bei Lenglern, Wollbrandshausen und Bremke, urgeschichtliche Grabhügel bei Dransfeld und Hilwartshausen sowie wieder das Römerlager bei Hedemünden.

Von Heidi Niemann

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