Stadt wollte Katze töten

Bad Sachsa forderte Tierarzt auf, verletztes Tier aus Kostengründen einzuschläfern

Stadt wollte Katze töten

220.05.1020.05.10|Niedersachsen|4 Kommentare
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift  a /  A||

GÖTTINGEN/BAD SACHSA. Kommunen sind dazu verpflichtet, für die Versorgung von Fundtieren aufzukommen. Diese Verpflichtung gilt auch dann, wenn sie diese Aufgabe einem Tierschutzverein übertragen haben. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden. Es gab damit der Klage eines Tierarztes aus dem Südharz statt.

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Die Stadt Bad Sachsa wollte eine Katze aus Kostengründen einschläfern lassen. Unser Foto zeigt ein anderes Tier. Archivfoto:  Schrader

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Die Stadt Bad Sachsa wollte eine Katze aus Kostengründen einschläfern lassen. Unser Foto zeigt ein anderes Tier. Archivfoto:  Schrader

Dieser hatte die Stadt Bad Sachsa (Kreis Osterode) verklagt, weil diese sich weigerte, für die Behandlungs- und Unterbringungskosten einer verletzten Katze aufzukommen. Nach Auffassung des Gerichts war die Stadt jedoch für die Versorgung des Tieres zuständig. Sie muss dem Tierarzt daher rund 2000 Euro zahlen.

Die Katze war am späten Abend des zweiten Weihnachtstages in einer Straße in Bad Sachsa aufgefunden worden. Sie war offenbar bei einem Unfall verletzt worden. Die Suche nach dem Besitzer der Katze blieb erfolglos. Da auch beim Tierschutzverein niemand erreichbar und die örtliche Polizei zu einem anderen Einsatz unterwegs war, brachten die Finder das Tier zum tierärztlichen Notdienst.

Der diensthabende Tierarzt nahm eine Notoperation vor und behielt die Katze zunächst in seiner Praxis. In den folgenden Tagen versuchte der Veterinär vergeblich, einen Besitzer ausfindig zu machen und Verantwortliche des Tierschutzvereins zu erreichen.

Als der Verein sich nicht rührte, forderte der Tierarzt die Stadt auf, die Abholung der Katze zu veranlassen. Außerdem stellte er der Kommune die bis dahin angefallenen Behandlungs- und Versorgungskosten in Rechnung. Auch darauf folgte keine Reaktion, ebenso wenig auf ein späteres Schreiben, in dem er die Abholung der Katze und Bezahlung der Rechnung anmahnte. Ende März erhielt der Tierarzt schließlich die Mitteilung, dass die Stadt eine Übernahme der Kosten ablehne. Daraufhin zog er vor Gericht.

Die Richter sahen dies komplett anders. Die Katze sei sehr wohl ein Fundtier. Dafür spreche, dass sie eine Tätowierung hatte und zahm war. Damit sei die Gemeinde für die Unterbringung und Versorgung des Tieres zuständig. Diese öffentlich-rechtliche Pflicht gelte auch dann, wenn sie diese Aufgabe an einen Tierschutzverein delegiert habe. Die Katze hätte in jedem Fall ärztlich behandelt werden müssen. Eine Tötung aus Kostengründen, wie sie die Gemeinde gefordert hatte, sei ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. † Aktenzeichen 1 A 288/08

Von Heidi Niemann

zurück zur Übersicht: Niedersachsen

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Radio in neuem Fenster starten.
Streaming-Links des Internetsenders: mp3 in 128kbit/s und aac in 48kbit/s.

Kommentare

Videosaus der Region

300NL4S1XjS5KP6_4F0ZEKch-atXF0F1Sn55G2RvXiv3uw./static/common/img/group24/videohttp://www.hna.de/videos/4133147200111869425001window

Meist gelesene Artikel

  • heute
  • 7 Tage
  • Meist kommentiert (7 Tage)
Unter Tage: Umweltminister Stefan Birkner im Salzstock von Gorleben. Foto: dpa
Erkundungen bis September

Gorleben. Irgendwo im 99 Meter langen Bohrloch rüttelt die Doppelpackersonde. Ein Schlauch pumpt Stickstoff in zwei Gummimanschetten, ein Kabel liefert Daten über die Druckverhältnisse auf den Bildschirm. „Je langsamer sich der Druck abbaut, desto dichter ist das Gestein“, erklärt Messtechniker Daniel Nowotny von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) tief unten auf der 840-Meter-Sohle des Salzstocks Gorleben. Die ersten Ergebnisse sind unspektakulär; über die Eignung des Bergwerks als Endlager für hochradioaktiven Atommüll liefern sie jedenfalls keine entscheidenden Erkenntnisse.Mehr...

Hirn-Doping: Studenten nehmen Pillen

Hannover. Jeder 20. Student wirft Pillen ein, um seine Leistung zu steigern und dem Uni-Stress besser standzuhalten. Weitere fünf Prozent versuchen sich mit Vitaminen, pflanzlichen Substanzen oder Koffein aufzuputschen.Mehr...

Auch McAllister fühlt sich von Ex-Wulff-Sprecher "beschissen“

Hannover. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sieht sich in der Lobby-Affäre um Olaf Glaeseker von dem ehemaligen Sprecher des Bundespräsidenten Christian Wulff getäuscht.Mehr...

NachrichtenSportVideosMagazinServiceAnzeigenHNA-KartenserviceMeine HNA

Artikel lizenziert durch © hna
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hna.de