Jeder hat Grenzen – aber nicht alle akzeptieren diese.“ Dieses Motto ist für Felix Baumgartner zu einer Art Lebensweisheit geworden. Denn fast alles was der 42-Jährige tut, ist extrem. Nun will er aus 36 Kilometern Höhe aus einem Ballon springen.
Video: Basejump in Rio de Janeiro
Er fährt Motocross- und Autorennen, springt von Brücken und Gebäuden, überquerte mit Carbon-Flügeln im freien Fall den Ärmelkanal, hat einen Profi-Boxkampf gewonnen und ist Helikopter-Pilot. Doch sein aktuelles Projekt übertrifft seine bisherigen Leistungen. Baumgartner will aus 36 Kilometern Höhe aus einem Ballon springen – und als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. Mit dem Projekt sollen gleich vier Rekorde fallen: der höchste bemannte Ballonflug, der höchste Absprung, der längste freie Fall und die höchste Geschwindigkeit, die je ein Mensch geflogen ist.
Im Gegensatz zu seinen bisherigen Sprüngen – beispielsweise von der Christusstatue in Rio de Janeiro oder dem ehemals höchsten Gebäude der Welt, dem Taipei-Center in Taiwan – benötigt der gebürtige Salzburger dieses Mal einen Spezialanzug. Der schützt ihn vor Temperaturen bis zu minus 57 Grad und dem niedrigen Druck.
„Es gibt immer noch eine Unbekannte: Was passiert mit meinem Körper, wenn ich die Schallmauer durchbreche?“, sagt Baumgartner. Seit fünf Jahren optimiert der Österreicher mit seinem Team die Technik und die Abläufe – finanziert von dem Energy-Produzenten Red Bull. Angst hat er trotzdem. „Ich bin nicht geil auf die Angst, aber die Angst macht ein Ziel erst wertvoll. Daher gehört die Angst dazu.“
Am meisten Angst hab er davor, vor seiner Mutter zu sterben. „Jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse und meiner Mutter in die Augen schaue, ist es vielleicht das letzte Mal. Ich sag mir dann immer: Das Glück ist wie ein Vogerl, irgendwann fliegt es weg.“ Bevor sich Baumgartner bei seinem Weltrekordversuch in die Tiefe stürzt, bringt ihn eine Kapsel, die an einem Heliumballon befestigt ist, in den Weltraum.
Drei Stunden dauert die Reise, rund 15 Minuten die Rückkehr. „Es geht darum, Pionierarbeit zu leisten. Vielleicht tragen Raumfahrer in wenigen Jahren schon ausgereifte Anzüge und denken dabei an Felix Baumgartner und das Red-Bull-Stratos-Team, die ihnen das ermöglicht haben“, sagt der gelernte Mechaniker und Maschinenschlosser.
Das Markenzeichen des Österreichers ist die Zahl 502, die er auch als Tattoo am Rücken trägt. Es ist seine Registrierungsnummer bei der American B.A.S.E. Association aus dem Jahr 1998. Jenem erlauchten Club dürfen nur jene beitreten, die alle vier Objekttypen nachweislich gesprungen sind: Building (Gebäude), Antenna (Antenne), Span (Brücke) und Earth (Klippen). Dabei fehlt natürlich noch das Weltall. Wann die Mission in New Mexico (USA) beginnt, steht noch nicht fest. „Im Moment finden letzte Testläufe statt“, sagte eine Sprecherin am Dienstag.
Von Reemt Bernert



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