Fulda/Kassel. Kurz vor der Konferenz der deutschen Bischöfe in Fulda hat sich Bischof Heinz Josef Algermissen in einem Gespräch mit der Fuldaer Zeitung für Reformen in der Kirche ausgesprochen.
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Die Zeit sei reif für den Plan eines neuen Konzils (Versammlung von Bischöfen und anderen hohen kirchlichen Würdenträgern in Rom).
Wie die Zeitung aus einem Redaktionsgespräch mit dem Bischof berichtet, beklagt Heinz Josef Algermissen eine „Stau-Situation in der katholischen Kirche“. Fragen zur Sexualmoral, zum Zölibat (verpflichtende Ehelosigkeit der Priester) und zum Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten seien „schon lange zu diskutieren reif“.
Wie der Sprecher des Bistums, Christof Ohnesorge, gestern auf Anfrage bestätigte, sieht sich der Bischof in allen Punkten richtig wiedergegeben. So schloss er auch eine Weihe Homosexueller zu Priestern nicht aus, wenn diese glaubwürdig versprächen, ihre sexuellen Neigungen nicht zu praktizieren. Der Bischof wird dazu mit den Worten zitiert: „Ein anderes Versprechen bekomme ich auch von einem heterosexuell veranlagten Kandidaten nicht.“
Man müsse fragen, so Algermissen, ob die Kirche immer auf Augenhöhe mit den Menschen sei. Mit Blick auf die Sexualmoral gälten möglicherweise Normen, die in ihrem hohen Anspruch nicht leicht zu vermitteln seien. Diskussionen und Fragen dürften nicht durch Verbote abgebrochen werden.
Der Bischof, der gestern für ein Interview nicht zur Verfügung stand, sagte den Angaben zufolge, dass diese Themen unter den Bischöfen zunächst intern erörtert werden sollten: „Wir haben in der Bischofskonferenz noch keine einheitliche Meinungsbildung, in deren Folge wir nach Rom mitteilen könnten: Heiliger Vater, es gibt zwischen der Lehre der Kirche und der Praxis der Menschen in Deutschland Unterschiede.“
Gleichwohl machte Algermissen sich angesichts des gravierenden Priestermangels dafür stark zu prüfen, geeignete Männer („viri probati“) zum Priesteramt zuzulassen. Diese Männer, die verheiratet sein können, dürfen heute maximal zu Diakonen geweiht werden, dem geringsten der drei kirchlichen Weihe-ämter (Diakon, Priester, Bischof).
Schließlich moniert der Bischof, dass die Kirchenleitung in Rom in den vergangenen Jahren „etwas zu viel zentralisiert hat“. Die Stimmen aus Deutschland fänden im Chor der Weltkirche nicht das Gehör, das er sich wünsche. Dies stehe in deutlichem Kontrast dazu, dass viele weltkirchliche Projekte der Hilfswerke wie Misereor, Adveniat, Missio und Renovabit hauptsächlich aus deutschen Mitteln finanziert würden.
Von Tibor Pézsa



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