Fulda. Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hat heute (Dienstag) in einer Mitteilung an unsere Zeitung widersprochen, dass er sich hinter den sogenannten „Reformvorstoß“ des Kasseler Dechanten Harald Fischer gestellt habe.
Dabei ging es um Fragen der kirchlichen Sexualmoral, des Zölibats, des Frauenpriestertums und der Unauflöslichkeit der Ehe. Dies sei falsch. Vielmehr bleibe er voll und ganz dabei, dass die Forderungen Dechant Fischers den Äußerungen des kirchlichen Lehramtes der Katholischen Kirche widersprächen.
Die Berichterstattung verwässere das, was im Kreise von etwa 30 anwesenden Priestern vertieft besprochen worden sei. Das Zulassen einer solchen Diskussion über strittige Fragen dürfe aber keineswegs dazu führen, dass das kirchliche Lehramt und die Grundfeste der Kirche in Frage gestellt würden. (tpa)
Anmerkung der Redaktion: Wir bleiben in vollem Umfang bei unserer Darstellung. Sie entspricht teils bis in den Wortlaut hinein einer uns vorliegenden ausführlichen Dokumentation der Priesterkonferenz mit Bischof Algermissen am 15. Juni 2010 in Kassel.
(zum Artikel in der HNA vom 29. Juni 2010)
In der HNA vom 29. Juni wird die Behauptung aufgestellt, daß ich mich als Bischof von Fulda hinter den sogenannten „Reformvorstoß“ von Dechant Harald Fischer zu den Fragen der kirchlichen Sexualmoral, des Zölibats, des Frauenpriestertums und der Unauflöslichkeit der Ehe gestellt hätte. Dies ist falsch.
Vielmehr bleibe ich voll und ganz bei meiner Erklärung vom 22. April, in der ich darauf hingewiesen habe, daß die Forderungen Dechant Fischers den Äußerungen des kirchlichen Lehramtes der Katholischen Kirche widersprechen.
Es liegt in dem Artikel eine Verwässerung dessen vor, was im Kreise von etwa 30 anwesenden Priestern vertieft besprochen worden ist. Das Gespräch mit den Priestern des Dekanates Kassel-Hofgeismar, das ich zusammen mit meinem Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke am 15. Juni aus Anlaß der von Dechant Fischer durch sein Interview in der HNA aufgeworfenen Fragen geführt habe, wurde in großer Offenheit und gegenseitigem Verständnis mit theologischen Argumenten geführt.
Das Zulassen einer solchen Diskussion über strittige Fragen darf aber keineswegs dazu führen, daß das kirchliche Lehramt und die Grundfesten der Kirche in Frage gestellt werden.
Wenn wir über den Zölibat und den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen nachdenken, so darf keineswegs außer acht gelassen werden, daß der Zölibat nach wie vor die angemessenste Art und Weise ist, das Priestersein zu leben, und daß die prinzipielle Unauflöslichkeit der Ehe nicht in Frage zu stellen ist.
Die Weihe von Frauen zu Priestern ist der Kirche von ihrem Herrn Jesus Christus her und durch letztgültigen päpstlichen Entscheid von 1994 ohnehin nicht möglich, wie es auch die orthodoxen und orientalischen Kirchen bezeugen.
Die Kirche hat auch in einer zunehmend orientierungslosen Gesellschaft den Auftrag, den Wert der Sexualität als Ausdruck der Liebe zwischen Mann und Frau besonders hervorzuheben.
Es ist zudem noch deutlich hervorzuheben, daß die Beantwortung der strittigen Fragen zu den Themen Ehescheidung, Sexualmoral und Zulassung der Frauen zum Amt in der evangelischen Kirche durchaus nicht zu einer Besserung der kirchlichen Situation geführt hat.
Die Probleme, die Kirche in der heutigen Gesellschaft hat, beruhen zuallererst auf einer tiefen Gotteskrise, die eben diese Gesellschaft erfaßt hat.
Hier ist auch die Frage des Zölibats einzuordnen: wenn dieser auch dogmatisch nicht zum Wesenskern des Priestertums gehört, wie die mit Rom unierten orientalischen und Ostkirchen in ihrer Praxis bezeugen, so wäre doch für die Kirche durch seine Ablösung nichts gewonnen. Wir müssen in der Kirche tiefer ansetzen, Oberflächlichkeit hilft nicht weiter.
Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda



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