Fulda/Kassel. Meinungswandel im Bistum Fulda: Obwohl Bischof Heinz Josef Algermissen den in unserer Zeitung veröffentlichten Reformvorstoß des Kasseler Dechanten Harald Fischer zunächst als „wenig hilfreich“ und „unnötig“ zurückgewiesen hatte, hat sich der Bischof nun in wesentlichen Punkten hinter die Forderungen Fischers gestellt.
Dies ist das Ergebnis einer Priesterkonferenz im Dekanat Kassel-Hofgeismar, zu welcher der Bischof aus Anlass der Diskussion vor einigen Tagen eingeladen hatte.
Wie unsere Zeitung erfuhr, tat Bischof Algermissen dies unter großer Zustimmung der etwa 30 anwesenden Priester und sonstigen Kirchenmitarbeiter aus dem Dekanat Kassel-Hofgeismar. Der Bischof sagte, dass die verpflichtende Ehelosigkeit der katholischen Priester (Zölibat) von der kirchlichen Lehre her nicht zum Wesenskern des Priestertums gehöre. Eine Diskussion über die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt, die dafür geeignet seien („viri probati“), sei notwendig. Anders könne man schon in naher Zukunft nicht mehr die Eucharistiefeier als Mitte und Lebensquell in den Kirchengemeinden garantieren.
Die geltende Sexualmoral der katholischen Kirche, so der Bischof weiter, sei heute durch die normative Kraft des Faktischen infrage gestellt. Der kirchliche Umgang mit Fragen wie der Empfängnisverhütung und vorehelichen Beziehungen sei leider von Verdrängungsmechanismen gekennzeichnet. Die meisten Menschen lebten ihr Leben in dieser Hinsicht ohnehin unabhängig von kirchlichen Positionen. Gleichwohl habe die Kirche in einer nahezu wertelosen Gesellschaft den wichtigen Auftrag, für verbindliche und verantwortliche Liebesbeziehungen einzutreten. Sexualität gehöre unbestritten dazu.
Der von Dechant Fischer befürworteten Aufnahme von Frauen ins Priesteramt erteilte der Bischof dem Vernehmen nach eine klare Absage. Dies sei durch päpstliche Vorgaben eindeutig und abschlägig beschieden worden. Anders sähe dies aber mit einer eventuellen Zulassung von Frauen zum Diakonat aus. Dies sei eine offene Frage. Aber vor einer Antwort darauf bedürfe es wie auch in den anderen Punkten einer gründlichen theologischen Diskussion.
Bei der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen – einem praktischen Anwendungsfall der Ökumene – gibt es nach Ansicht Algermissens dringenden Handlungsbedarf. In den vergangenen Wochen hatten sich viele Pfarrer hinter den Debattenanstoß Fischers gestellt, so zum Beispiel auch der Marburger Dechant Franz Langstein. Kommentar, NÄCHSTE SEITE
Von Tibor Pézsa



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