206.06.1006.06.10|Politik|
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Kassel. Wer nicht gerade als Dauertelefonierer durch die Gegend rennt, braucht keine Angst zu haben, dass sein Handy das Risiko für Krebs im Kopf erhöht - zumindest nicht für die Hirntumorarten Gliom und Meningeom.

Handy am Ohr: Erwachsene, so die Interphone-Studie, haben kein erhöhtes Hirntumorrisiko. Foto: dpa
Mit diesem Fazit bewertet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) jetzt erste zusammengefasste Ergebnisse der sogenannten Interphone-Studie. Wissenschaftler für die weltweit größte Fall-Kontroll-Untersuchung haben dafür in 13 Ländern zwischen 2000 und 2003 knapp 7000 Hirntumor-Patienten im Alter von 30 bis 59 Jahren und eine Kontrollgruppe Gesunder zu Telefonier-Gewohnheiten befragt.
Entwarnung also gegen alle Unkenrufer, die hochfrequente elektromagnetische Felder, mit denen Handys funken, als Krebsauslöser fürchten? Aus ihrer Sicht und für den Kopf ja, sagt Dr. Maria Blettner, Statistikprofessorin der Uni Mainz, die an Interphone mitgeforscht hat: „Für einen Erwachsenen bedeutet eine durchschnittliche Nutzung des Handys kein erhöhtes Hirntumorrisiko.“ Genau das habe man vor zehn Jahren noch vermutet. Die Expertin zur HNA: „Die große Angst von damals ist vom Tisch.“
Blettners Aber: Ob Menschen, die besonders lange und häufig mit ihrem Handy telefonieren, mehr gefährdet sind als andere, einen Hirntumor zu bekommen, „muss erst die weitere Forschung klären“. Die Studie hatte für extreme Vieltelefonierer zwar erhöhte Gliom- und Meningeom-Risiken erbracht. Allerdings räumen die Forscher ein, dass hier methodische Fehler der Interviews durchschlagen könnten. Schlimmstenfalls hätten sich die Tumorpatienten einfach falsch an ihren Handykonsum erinnert.
Die Bewertung einzelner Interphone-Ergebnisse ist durchaus strittig. Das Handy von damals ist nicht das von heute. Anmerkung des Deutschen Krebsforschungszentrums: Unter den Risiko-Vieltelefonierern der Studie seien auch Menschen, „die bereits in den frühen 90er-Jahren mobil telefoniert hatten, mit noch sehr strahlungsstarken Geräten“. Geräte von heute „sind deutlich strahlungsärmer“.
Andererseits ist das, was vor zehn Jahren am Handy noch als Vieltelefonieren galt, heute Standard. Und: Die Ohren, an die Mobiltelefone gedrückt werden, sind immer jünger. Über das Hirntumorrisiko für Kinder lässt die Studie keine Schlüsse zu, sagt auch Maria Blettner. „Wirkungen auf Kinder – die besonders empfindlich sein können und wesentlich länger als die heutigen Erwachsenen Handys nutzen werden, sind noch nicht ausreichend erforscht“, warnt das BfS.
Kinder am Handy? „Nur auf das Notwendigste beschränkt“, rät das BfS. Wie Blettner auch, die es einfach lästig findet, wenn schon die Kurzen dauernd in der Gegend rumtelefonieren. Letztens hat sie einen Vierjährigen mit Handy getroffen.
Von Wolfgang Riek

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