Hannover. Keine vier Monate nach ihrem Amtsantritt ist Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) zu einer schweren Belastung für die schwarz-gelbe Landesregierung unter Ministerpräsident David McAllister (CDU) geworden.
Ihr Familienbetrieb profitiere von Tierquälerei in zwei Putenmastbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern, werfen ihr Tierschützer und Opposition vor. Außerdem trenne die 45-jährige frühere Bundestagsabgeordnete nicht sauber zwischen Amt, Parteiarbeit und Geschäft. Vor zwei Wochen schockte das ARD-Magazin „Report“ mit Bildern von blutigen Puten, ausgepickten Augen und verwesenden Kadavern. Die Videos will die Tierschutzorganisation Peta nach eigenen Angaben in zwei Ställen einer Putenerzeugergemeinschaft gedreht haben.
Deren Mastbetriebe beziehen ihre Küken aus der Mastputenbrüterei Ahlhorn, die mit zehn Millionen geschlüpften Tieren jährlich zu den ganz Großen der Branche zählt. Und deren Geschäftsführerin bis vor einem halben Jahr Astrid Grotelüschen war, und die nun von ihrem Mann Garlich allein weitergeführt wird. Die ausgewachsenen Tiere gehen zurück an eine Schlachterei in Niedersachsen, an der Garlich Grotelüschen ebenso beteiligt ist wie an der Erzeugergemeinschaft.
Trotz der vertraglichen Bindungen streitet die Ministerin eine enge Geschäftsbeziehung zu den beschuldigten Betrieben vehement ab. Im Übrigen hätten deren Inhaber in eidesstattlichen Erklärungen versichert, dass die Bilder gar nicht in deren Ställen entstanden sein könnten. „Das Ganze ist eine üble Schmutzkampagne“, sprang die CDU-Fraktion im Landtag Grotelüschen bei.
Die Peta-Aktivisten blieben bei ihrer Darstellung und legten mit Strafanzeigen nicht nur gegen die Mästereien, sondern auch gegen die Ministerin und ihre Familienfirma nach. Die Vorwürfe lauten auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, aber auch auf üble Nachrede und falsche eidesstattliche Versicherungen.
SPD und Grüne deckten derweil auf, dass ein Teil des Schriftverkehrs zwischen Ahlhorn und den Mecklenburger Betrieben über ein Faxgerät lief, deren Nummer der Ministerin für ihre politische Arbeit zugewiesen ist. Ihr Wahlkreisbüro wiederum befindet sich laut Links-Fraktion auf dem Firmengelände. Die Linken fordern den sofortigen Rücktritt, SPD und Grüne verlangen, dass die Ressortchefin zumindest bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe ihr Amt ruhen lässt.
Grotelüschen war erst Ende April vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) im Zuge seiner Kabinettsumbildung zur Agrarministerin berufen worden. Tier- und Verbraucherschützer warfen ihr von Anfang an Lobbyismus zugunsten der industriellen Massentierhaltung vor. „Da hat uns Wulff ja ein schönes Ei ins Nest gelegt“, schimpfen inzwischen aber selbst etliche CDU-Abgeordnete im Landtag. „Das ist unsere größte Baustelle“, heißt es auch aus McAllisters Umfeld.
Nach außen hält der Regierungschef an seiner umstrittenen Ministerin fest – noch. „Ich habe bislang keinen Anlass, an ihren Angaben zu zweifeln“, erklärte der Ministerpräsident. KOMMENTAR
Von Peter Mlodoch



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