Ursula von der Leyen: Die Familie lässt sie nicht los

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen kann sich nur schwer von alten Kompetenzen trennen

Die Familie lässt sie nicht los

322.01.1022.01.10|Politik|
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Berlin. Ursula von der Leyen hat nur die älteren Menschen und die Gleichstellung übrig gelassen. Als die ehemalige Familienministerin ihr Büro geräumt hat, hat sie gleich einen großen Teil des Sachverstandes in ihrem Ressort mitgenommen.

© Foto:  dpa

Die Rolle der Fürsorgerin will sie nicht aufgeben: Die frühere Familien- und jetzige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (51) hat Themen und Personal aus ihrem alten Ressort an ihren neuen Arbeitsplatz mitgenommen.

Der Staatssekretär Gerd Hoofe wird seiner Chefin zum 1. Februar ins Arbeitsministerium folgen – genau wie Malte Ristau und Anette Niederfranke, die beiden Leiter der wichtigen Abteilungen „Familie“ und „Kinder und Jugend“ im Familienministerium.

Auch in ihrer neuen Rolle als Arbeitsministerin kann Ursula von der Leyen die Familie offenbar nicht loslassen. In mehreren Interviews hat sie angekündigt, sich auch in ihrem jetzigen Amt um Alleinerziehende, Kinderarmut und berufstätige Mütter kümmern zu wollen. In den Augen der Öffentlichkeit würde sie wohl gern die Expertin in Sachen Familie bleiben.

Ihrer Nachfolgerin Kristina Köhler hat sie es dadurch schwer gemacht. Im Familienministerium blieben drei leere Stellen zurück, die schnellstens neu besetzt werden mussten. Nur die Leiter der Abteilungen „ältere Menschen“, „Gleichstellung“ und „interne Verwaltung“ bleiben gleich.

Öffentliche Lieblingsrolle

Während die junge Familienministerin Köhler noch nach ihren Themen sucht, hat von der Leyen öffentlichkeitswirksam ihre Lieblingsrolle als Fürsorgerin gefestigt. Sie hat Nachbesserungen bei Hartz IV versprochen und die Arbeitslosen vor den Attacken von Roland Koch in Schutz genommen. „Mir ist wichtig, dass Menschen, die Hartz IV beziehen, spüren: Ihre Fähigkeiten werden geschätzt, sie werden wahrgenommen - und man kümmert sich um sie“, sagte sie Anfang der Woche.

Von der Leyen will sich künftig auch um eine andere Gruppe kümmern: die Zeitarbeiter. Für ihr schnelles Engagement gegen Lohndumping bei der Drogeriekette Schlecker hat sie viel Lob geerntet, dabei war sie in dieser Angelegenheit gar nicht die Erste. Dass die SPD bereits einen Monat früher die Personalpolitik des Konzerns angeprangert hatte, kümmerte weder Geschäftsführung noch Öffentlichkeit. Erst als sich von der Leyen persönlich einschaltete, gab Schlecker nach und kündigte den Vertrag mit einer Zeitarbeitsfirma.

Bestärkt von diesem Erfolg hat sie sich nun dem Kampf gegen Dumpinglöhne verschrieben. Auch beim Thema Mindestlohn zeigt sie sich offen für neue Verhandlungen und wildert damit im Terrain der SPD.

Ihr resolutes Auftreten als soziales Unionsgewissen kommt bei den Wählern an. In einer aktuellen Umfrage für den „Stern“ liegt sie auf Platz drei der beliebtesten Politiker. Nur Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Liebling Karl-Theodor zu Guttenberg sind noch populärer.

Ob sie ihre Versprechen für mehr Gerechtigkeit halten kann, muss sich erst zeigen. Die Kanzlerin hat stets ihre Vorstöße unterstützt, die für eine fortschrittliche Union stehen sollen. Doch ob der Koalitionspartner FDP mitmacht, ist fraglich. Eine Reform von Hartz IV und neue Mindestlohndebatten passen nicht ins Konzept der Liberalen.

Wenn die Arbeitslosenzahlen wie prognostiziert in diesem Jahr steigen, wartet eine neue Rolle auf Ursula von der Leyen. Dann muss die mütterliche Ministerin auch schlechte Nachrichten überbringen.

Von Saskia Trebing

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