111.05.1011.05.10|Politik|1 Kommentar
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Die Euphorie von Berlin ist längst verflogen. Während der erste ökumenische Kirchentag vor sieben Jahren noch von ansteckender Aufbruchsstimmung getragen wurde, wirken die deutschen Gläubigen zur Zeit fast kollektiv verunsichert.

Abendmahl abseits des Kirchentages: In der TU München wird der suspendierte Priester Gotthold Hasenhüttl auch in diesem Jahr bei einem ökumenischen Gottesdienst predigen. Archivfoto: dpa
Das zweite Fest der Ökumene in München beginnt heute in einer tiefen Vertrauenskrisen der katholischen Kirche durch den Missbrauchsskandal. Und die evangelischen Brüder scheinen der zurückgetretenen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann nachzutrauern, für die kein gleichwertiger Ersatz in Sicht ist.
Es wäre eine Zeit für Veränderung und Annäherung. Wann, wenn nicht jetzt? Doch wirkliche Bemühungen in Richtung Ökumene trauen die wenigsten dem Münchner Kirchentag zu. Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer hat das Christentreffen einen „Etikettenschwindel“ genannt. Und auch der suspendierte katholische Priester Gotthold Hasenhüttl findet wenig gnädige Worte. „Es ist eine Simulation von Ökumene“, sagt der 76-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ein Fortschritt ist doch überhaupt nicht vorgesehen.“
Hasenhüttl hatte 2003 für einen Skandal gesorgt, als er am Rande des Berliner Kirchentages Katholiken und Nicht-Katholiken gemeinsam zum Abendmahl eingeladen hatte. Dieses ökumenische Sakrament kostete den Theologen sein Priesteramt. 2006 wurde ihm vom damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx auch die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.
Einen solchen Eklat scheinen die Münchner Organisatoren - unter anderem Marx - unbedingt vermeiden zu wollen. Schon im Vorfeld machten sie klar, dass es ein gemeinsames Abendmahl von evangelischen und katholischen Christen nicht geben werde. „Wir setzen darauf, dass es keinerlei Spannungen gibt“, heißt es aus München. Zwar nehmen auch kirchenkritische Organisationen am Kirchentag teil, doch die meisten Redner versprechen unverfängliche Auftritte: Von Horst Köhler, Eckart von Hirschhausen oder Nena sind kaum Kontroversen zu erwarten.
Für Gotthold Hasenhüttl ist das ein Zeichen dafür, dass sich seit Berlin 2003 nichts bewegt hat. Im Gegenteil - er glaubt, dass die Kirche auf dem Weg zur Einigung um viele Schritte zurückgeworfen wurde. „Schuld ist die Angst vor dem Machtverlust“, mutmaßt er. „Außerdem streben die Kirchen unterschiedliche Ziele an.“
Nach Aussage des Geistlichen bedeutet Ökumene für die katholische Kirche, dass sich die anderen Konfessionen integrieren. „Das ist kirchlicher Kolonialismus“, sagt er. „Wir müssen uns auf Augenhöhe treffen, um eine Kirchengemeinschaft zu sein.“
Hasenhüttl wird auch in München auf Einladung eines evangelischen Pfarrers bei einem ökumenischen Gottesdienst predigen und das Abendmahl an katholische und evangelische Christen austeilen - abseits des offiziellen Kirchentag-Programms. Er selbst möchte die Aktion als ein Zeichen von Zivilcourage und Versöhnung verstanden wissen, nicht als Provokation. „Wenn etwas passieren soll, muss es von unten passieren.“, sagt er. „Je deutlicher sich Gläubige für die Ökumene engagieren, desto größer wird der Druck auf die Obrigkeit.“
• Die Diskussion „Ökumene light? Was beim Kirchentag nicht auf der Agenda steht“ mit Gotthold Hasenhüttl findet am Samstag ab 17.30 Uhr im Hörsaal 1200 der TU München statt.
Der Gottesdienst mit Abendmahl beginnt um 20 Uhr.
Von Saskia Trebing
Gotthold Hasenhüttl, geboren 1933 in Graz, ist katholischer Theologe und hat 1959 die Priesterweihe empfangen. Von 1974 bis 2002 war er katholischer Professor für Systematische Theologie an der Universität des Saarlandes.
Auch nach seiner Suspendierung vom Priesteramt wegen der Erteilung des ökumenischen Abendmahls 2003 machte er mit kritischen Äußerungen von sich reden. Unter anderem hat er Papst Benedikt XVI. für die Vertuschung von Missbrauch verantwortlich gemacht. Er lebt in Saarbrücken.
Unter dem Begriff Ökumene versteht man eine neuzeitliche Bewegung von Christen, die eine weltweite Einigung und Zusammenarbeit der verschiedenen Christlichen Kirchen anstrebt. Der Begriff Ökumene leitet sich vom griechischen „oikoumene“ („Erdkreis, ganze bewohnte Erde“) her.
Erstmals fand ein Ökumenischer Kirchentag in Deutschland 2003 in Berlin statt. Er gilt als ökumenischer Meilenstein im Miteinander evangelischer und katholischer Christen

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