Kassel. Autofahrer werden ab April noch mehr vor der Hauptuntersuchung (HU) ihrer Fahrzeuge bangen müssen. Der Grund: Die Prüfer sollen bei der HU nicht mehr so leicht ein Auge zudrücken können.
Es soll eine bundesweit einheitliche Liste, den sogenannten Mangelbaum, geben, nach dem viele Mängel nicht mehr als gering, sondern gleich als erheblich bewertet werden.
„Der Entscheidungsspielraum für die Ingenieure wird sich verringern, weil die Mängelklassifizierung geändert werden soll“, erklärt Johannes Näumann, Sprecher des Bundesverbandes der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV). Beispielsweise ist ein geringfügig falsch eingestelltes Abblendlicht bisher ein leichter Mangel - und damit kein Durchfall-Grund. Das soll sich ab April ändern.
Die Verschärfung der Kontrollrichtlinien ist Teil einer Gesetzesnovelle, über die der Bundesrat im Februar abstimmen wird. Noch gibt es aber Beratungsbedarf.
Hintergrund
Wer die Fälligkeit seiner Hauptuntersuchung verschwitzt, muss damit rechnen, einen Bußgeldbescheid zu bekommen. Wenn der Termin zwei bis vier Monate überschritten wurde, kostet das 15 Euro. Bei vier bis acht Monaten fordert der Staat 25 Euro. Wenn die Fälligkeit der HU mehr als acht Monate überschritten wurde, stehen 40 Euro auf dem Bußgeldbescheid – hinzu kommen zwei Punkte in Flensburg. (rbe)
Eine deutliche Verbesserung sieht Näumann in der Elektronik-HU. Dabei liest der Prüfer über die On-Board-Diagnose-Schnittstelle der modernen Autos den Zustand der elektronischen Teile aus. „Dabei wird geprüft, ob die eingebauten Sicherheitssysteme wie ABS, ESP und Airbag funktionieren“, so der VdTÜV-Sprecher. Da viele Autofahrer den elektronischen Helfern vertrauen, sei dies ein enormer Schritt in Richtung Sicherheit, da man vorher die Funktion lediglich anhand der Warnleuchten kontrollieren konnte.
Durch den elektronischen Check wird aber auch eine kurze Probefahrt notwendig. „Damit alle Systeme anspringen“, so Näumann.
Mit dem Gesetzes-Paket und der Elektronik-HU als Kernstück ist der VdTÜV-Sprecher aber grundsätzlich zufrieden. „Die Autos werde immer komplexer und die Elektronik ist anfällig für Fehler“, sagt Johannes Näumann und erklärt: „Das ist ein ganz wichtiger Schritt.“
Carsten Graf, Technikexperte vom ADAC, sieht in dem Gesetzespaket Folge der der technischen Weiterentwicklung. Bauchschmerzen hat Graf aber bei der geplanten intensiveren Prüfung der Autos bei der Überziehung des Prüfungstermins. „Gerade bei neueren Fahrzeugen ist keine erweiterter Prüfumfang notwendig.“ Der Fachmann geht davon aus, dass jedes Auto intensiv geprüft wird.
Ähnlich sieht es auch der Auto Club Europa (ACE), wie sein Sprecher Rainer Hillgärtner bestätigt. Wichtig für den ACE sei, dass durch die Gesetzesnovelle keine zusätzlichen Kosten für die Halter der Autos entstehen. „Das Ziel dürfen nicht die Geschäfte der Prüfstellen sein, sondern eine bessere Verkehrssicherheit.“
Von Reemt Bernert



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