Berlin/Kassel. Die Löhne in Deutschland sind 2011 auf den ersten Blick deutlich gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, verdienten die Deutschen zwar 3,3 Prozent mehr als 2010. Zieht man aber die Inflation von 2,3 Prozent ab, beträgt der Anstieg nur noch ein Prozent.
Dieser sogenannte Reallohn sei geringer gestiegen als im Vorjahr. 2010 lag der Zuwachs bei 1,5 Prozent. Als Gründe für die deutlichen Steigerungen bei den Nominallöhnen sehen die Statistiker Gehaltszuwächse durch neue Tarifverträge, außertarifliche Vergütungen sowie den Abbau der Kurzarbeit. Als Berechnungsgrundlage dienen dem Bundesamt sämtliche Einkommensarten aus abhängiger Beschäftigung und selbsttändiger Arbeit. Mitte Januar hatte das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung Zahlen nur für die abhängig beschäftigten Arbeitnehmer veröffentlicht.
Die tariflich festgelegten Gehälter ohne Sondervergütungen und Einmalzahlungen seien 2011 durchschnittlich um zwei Prozent gestiegen. Die Spannweite reiche von 2,8 Prozent im Bereich private Dienstleistungen bis zu 1,1 Prozent bei Finanzdienstleistungen. „Der unerwartet starke Anstieg der Verbraucherpreise hat die Tarifsteigerungen in vielen Branchen wieder aufgezehrt“, sagt Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchives. Bei einer Inflation von 2,3 Prozent ergebe sich ein Rückgang der Reallöhne um 0,3 Prozent – die Menschen haben danach also trotz Lohnerhöhung weniger im Portemonnaie.
Von Reemt Bernert



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