Die Staatsanwaltschaft will jetzt, wie es heißt, „sehr ernsthaft“ prüfen. Wie oft denn noch? Wie oft hat sich Christian Wulff dem Verdacht ausgesetzt, Vorteile im Amt angenommen zu haben? Wie oft hat er sich Urlaube bezahlen lassen und Kredite zu Sonderkonditionen bekommen?
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Und für strafrechtliche Ermittlungen entscheidend: Hat er dafür als niedersächsischer Regierungschef Gegenleistungen gewährt? Der Unternehmer Egon Geerkens begleitete Wulff auf Dienstreisen, der Filmhändler David Groenewold soll eine Landesbürgschaft erhalten haben.
Jörg S. CarlZugegeben, in Zeiten, in denen Milliardenbeträge als belanglose Peanuts verbucht werden dürfen, scheint Wulff ein bescheidener Schnäppchenjäger zu sein, der den Versuchungen am Wegesrand des politischen Tagesgeschäfts nicht widerstehen konnte. Sind wir nicht alle kleine Sünderlein? Ja, sind wir. Aber er ist der Bundespräsident, der höchste Repräsentant, die moralische Autorität und eine wichtige Kontrollinstanz der Gesetzgebung. Wenn der Staatsanwalt hier zweimal prüfen muss, ist es mindestens einmal zu viel.
Der Stellenwert des Amtes und seine Ausstrahlung auf die Gesellschaft vertragen keine Endloskette von Verdächtigungen. Sie höhlen die Würde des Amtes aus und zehren den Respekt vor dem Amtsträger auf. Dessen anscheinend unbeugsamer Wille zum Aussitzen sämtlicher Vorwürfe und Verfehlungen steigern den Schaden für die politische Kultur ins Unerträgliche. Der Rückzug ins Klinkerhaus ist überfällig. Wulff würde sich und das Land erlösen.
Kommentar von Jörg S. Carl



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