Borken. Ihre Produkte werden in Kapstadt für die Fußballweltmeisterschaft verbaut. In Kassel liegen sie schon längst auf der Straße, und Australien interessiert sich für eine Lizenz: Die Firma Profilbeton in Borken stellt Spezialsteine für die Bordsteinkanten an Bus- und Bahnhaltestellen her.
Das Besondere an den Steinen: Sie ermöglichen durch ihre Höhe und Form einen barrierefreien Einstieg in die Fahrzeuge. Die Außenkante ist so geformt, dass die Karosserie der Busse an Haltestellen nicht beschädigt und der Spalt zwischen Bordsteinkante und Bustür auf nur fünf Zentimetern vermindert wird. Das erleichtert Rollstuhl- und Rollatorfahrern den Einstieg, aber auch älteren Menschen, Eltern mit Kinderwagen und Personen mit viel Gepäck.
Zum ersten Mal war der Stein für den Bau des ICE-Bahnhofs in Kassel-Wilhelmshöhe hergestellt worden. Bis zum Jahresende sollen in Kassel 97 Prozent der Straßenbahnhaltestellen und 45 Prozent der Bushaltestellen mit dem Sonderbord ausgerüstet werden, berichtete Guido Rissland, Mitarbeiter der Kassler Verkehrsgesellschaft (KVG).
Inzwischen gibt es die Spezialsteine in ganz Deutschland. Lizenznehmer produzieren den „KasselKerb“, so der internationale Name, in den Niederlanden, England, Israel und Südafrika. „Kapstadt stellt bis zur WM 15 000 Meter Haltestellen-Bordsteine her“, berichtete Carsten Hasch, technischer Leiter der Firma Profilbeton und Sohn des Gründers Wolfgang Hasch. Bis 2017 seien weitere 100 000 Meter in Kapstadt geplant, unter anderem für den Bau eines barrierefreien Flughafens.
Auch aus anderen Städten Südafrikas seien schon Anfragen nach dem KasselKerb gekommen, zum Beispiel aus Australien, wo die Borkener Firma voriges Jahr eine Testhaltestelle gebaut hatte.
Seit 1998 gibt es die Firma „Profilbeton“ in Borken. Jahr für Jahr werden Steine für 50 Kilometer Haltestellen von 18 Mitarbeitern produziert. Außer dem Kassler Sonderbord stellt das Unternehmen auch Blindenleitplatten her, die an Haltestellen und Fußgängerüberwegen zwischen den normalen Bodenplatten der Orientierung mit dem Blindenstock dienen. Durch Noppen und Rillen im Boden können Ein- und Ausstiegsflächen, Haltezonen an Ampeln und Zebrastreifen von Sehbehinderten mit dem Blindenstock ertastet werden. Zusammen mit einem abgesenkten Bordstein ergeben die Steine ein System, das barrierefreie Überquerungen von Fahrbahnen ermöglicht, sagt Vertriebsleiter Schaubhut.
Zum zweiten Mal hatte die Firma die Nordhessischen Verkehrstage veranstaltet, ein Forum mit Vorträgen zum barierrefreien Bauen. Die Tagung, die dem Kontakt zwischen Planern, Städtebauern und Nutzern diente, fand auf dem Werksgelände zwischen Großenenglis und Uttershausen statt.
Von Bettina Mangold



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