Berufsstand könnte wichtigste Aufgabe verlieren – Verband fordert mehr Geld

Hebammen vor dem Aus

404.08.1004.08.10|Fritzlar-Homberg|
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Schwalm-Eder. Für viele Paare im Schwalm-Eder-Kreis ist dies eine schlechte Nachricht: Hebammen bieten ab sofort keine Hausgeburten an. Diese Entwicklung war abzusehen.

Vor einigen Wochen sagte Dr. Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), in unserer Zeitung: „Seit Monaten weisen wir darauf hin, dass durch die steigenden Haftpflichtprämien freiberuflich tätige Hebammen aus der Geburtshilfe gedrängt werden.“

Kassen bitten zur Kasse. Eine plausible Erklärung für die Erhöhung der Beiträge gebe es aber nicht. Die Haftpflichversicherer müssten zwar höhere Regressforderungen begleichen, aber die Schadensfälle gingen kontinuierlich zurück.

Der Hauptgrund sei, dass die Regressabteilungen der Krankenkassen immer häufiger gegen Ärzte und Hebammen vorgingen.

Die Kassen versuchten, sich das Geld für die Betreuung von Kindern mit einer Behinderung wegen möglicher Geburtskomplikationen zurückzuholen.

Es wurde sogar schon Schadensersatz gezahlt, weil die Dokumentation der Geburtsvorbereitung lückenhaft war, sagte Dr. Wolber. Sie sieht im schlimmsten Fall den Berufsstand der Hebammen, zumindest aber den wichtigsten Teil ihrer Arbeit, die Geburtshilfe, gefährdet.

Hebammen unverzichtbar. „Für Schwangere und junge Mütter stellt die Hebamme vor und nach der Geburt oft eine enge und wichtige Ansprechpartnerin dar. Freiberufliche Hebammen sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil unserer medizinischen Versorgung“, sagt Dr. Edgar Franke.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete sitzt im Gesundheitsausschuss des Bundestages. „Keinesfalls dürfen durch die Untätigkeit der Bundesregierung ganze Berufsstände in ihrem Fortbestand gefährdet werden.“

Die SPD habe die Bundesregierung aufgefordert, zu prüfen, wie das Haftungsrisiko für ärztliche und nichtärztliche Berufe im Gesundheitssystem auf einen größeren Personenkreis verteilt werden könne, sagt Franke. So könnten drastische Kostensteigerungen durch steigende Versicherungsprämien für einzelne Berufsgruppen vermieden werden.

Verdienst erhöhen. Ein Möglichkeit aus der Misere der Hebammen wäre auch eine Erhöhung der Gebührenordnung, sagt Susanna Ziegler vom Vorstand des Kreishebammenverbandes. Für die Betreuung einer Geburt, inklusive acht Stunden vor der Geburt und drei Stunden danach, bekommt die Hebamme 237 Euro für eine Geburt im Krankenhaus, 445 Euro für eine Geburt im Geburtshaus und 537 Euro für eine Hausgeburt.

Bei einer Rundumbetreuung, mit Vorsorge, Kursen, Geburt, Wochenbett und Stillzeit betreut eine klinisch tätige Hebamme etwa 30 Frauen im Jahr, außerklinisch etwa zehn Frauen.

30-prozentige Erhöhung

Die Bundesschiedskommission hat nach der Petition der Hebammen eine Erhöhung um 100 Euro (Hausgeburten) und acht Euro (Krankenhaus) erwirkt. Das sei aber immer noch viel zu wenig, kritisiert Susanna Ziegler. Der DHV fordere eine 30-prozentige Erhöhung aller Gebührensätze. Andernfalls könnte die originärste Aufgabe der Hebammen vor dem Aus stehen: die Geburt.

Von Damai D. Dewert

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