Gudensberg. Die Initiative Stolpersteine in Gudensberg trauert mit den Angehörigen um Carlos Plaut. Der frühere Gudensberger starb kürzlich im Alter von 87 Jahren in einem Jerusalemer Krankenhaus. Mit ihm verliert Gudensberg einen der letzten Überlebenden der jüdischen Gemeinde vor 1938.
Carlos Plaut, der 1935 mit seiner Familie aus Gudensberg geflüchtet war, lebte viele Jahre in Brasilien. 1984 kam er mit seiner Familie nach Israel, wo seine Schwester bereits seit 1949 wohnte. In einem religiösen Altersheim in Jerusalem hütete er seine Erinnerungen: Fotos, Briefe, Artikel, einen selbst erstellten Plan von Gudensberg, in dem er die jüdischen Häuser eingezeichnet hatte, sowie eine Liste mit den Namen deportierter Juden.
Jens Haupt von der Stolpersteininitiative hatte Carlos Plaut im Februar dieses Jahres in Jerusalem besucht. Aus seinem großen Regal holte er eine grüne Pappkiste mit der Aufschrift „Korrespondenz“ und eine blaue mit der Aufschrift „Gudensberg“. Er zeigte Fotos und fing an zu erzählen. Von seiner Zeit in der jüdischen Schule an der Synagoge, die nach der Machtergreifung Hitlers geschlossen wurde. Er erzählte, wie er in der Volksschule von anderen Kindern verprügelt wurde. Wie sein Vater, ein Viehhändler, abgeholt und geschlagen wurde.
Seit dem 12. Mai dieses Jahres liegen vier Stolpersteine an der Ecke des Hauses Fritzlarer Straße 2 in Gudensberg (heute VR-Bank), die an das Schicksal der Familie Plaut erinnern. In die Messingplatten sind Namen, Geburtsjahr, Jahr der Deportation, Ermordung oder Flucht eingraviert: „Hier wohnte Karlmann „Carlos“ Plaut, Jahrgang 1923, Flucht 1935, überlebt“, heißt es auf dem Stolperstein. Er hält die Erinnerung wach. (red)



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