Gudensberg/JERUSALEM. Die Arbeit der Frauen und Männer der Initiative Stolpersteine hat sich gelohnt: Es gibt immer noch Überlebende, ob in San Francisco oder in Jerusalem, die Anteil nehmen an der Aktion.
Zum Beispiel Carlos Plaut. Jens Haupt, einer der Sprecher der Stolperstein-Initiative, besuchte ihn kürzlich in Jerusalem. „Ich habe immer von Gudensberg geträumt“, sagt Plaut (87), „von jeder Straße und von jedem Haus“. Auch Jahrzehnte nach der Flucht vor den Nazis verfolgten ihn die Bilder im Schlaf. Die Familie hatte sich 1935 in Sicherheit gebracht. Carlos hieß damals noch Karlmann und war erst zwölf Jahre alt, als sich für ihn zum letzten Mal die Tür seines Elternhauses in der Fritzlarer Straße 2 schloss. Seit Mittwoch erinnern vier Stolpersteine vor dem Gebäude an das Schicksal der Plauts.
„Hier wohnte Karlmann „Carlos“ Plaut, Jahrgang 1923, Flucht 1935, Brasilien, überlebt“, heißt es auf dem Stolperstein. Auf drei weiteren Steinen stehen die Namen seiner Eltern und seiner noch lebenden Schwester Hanna (84).
Carlos Plaut lebte viele Jahre in Brasilien, 1984 kam er mit seiner Familie nach Israel, wo seine Schwester bereits seit 1949 wohnt. In einem religiösen Altersheim in Jerusalem hütet der alte Herr nun seine Erinnerungen: Fotos, Briefe, Artikel, einen selbst erstellten Plan von Gudensberg.
Beim Besuch von Jens Haupt zeigt er die Fotos und fängt an zu erzählen. Von seiner Zeit in der jüdischen Schule an der Synagoge, wie er an der Volksschule von anderen Kindern verprügelt wurde.
1994 im Sommer war Carlos Plaut zum letzten Mal in Gudensberg, mit seinem Sohn und einer Enkelin. Zur Stolperstein-Verlegung kam er jedoch nicht. Mit 87 Jahren wollte er sich die Reise nicht mehr zumuten.
(Aufgezeichnet von Katja Stumpp, Jerusalem)



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