Borken. Das Eis knackt, es gluckst unter der Eisdecke, Risse im Eis verraten, dass es arbeitet und sich verschiebt. Wilfried Dönch betritt vorsichtig den See. Er setzt seinen Akku-Bohrer einige Meter vom Ufer auf dem Eis der Stockelache an. Nach einigen Sekunden hat er die Eisschicht durchbohrt. „Das reicht nicht, es sind nur 13 Zentimeter“, sagt der Bauhofleiter aus Borken. „Wir brauchen mindestens 18 Zentimeter zum Schlittschuhlaufen“, erklärt Dönch.
Doch jeden Tag könnte die Eisfläche nun frei gegeben werden. „Wir messen morgen wieder, es soll ja kalt bleiben“, sagt Dönch. Pro Nacht könnte das Eis dann schon mal um zwei Zentimeter dicker werden. Er macht eine zweite Bohrung weiter in der Mitte des Sees. Hier sind deutlich die Spannungsrisse des Sees zu sehen.
„Die sehen aus wie kleine Straßen“, sagt er. Das Eis ist an dieser Stelle noch dünner. „Hier sind es nur an die zehn Zentimeter.“ Deshalb rät er jedem davon ab, eigenständig auf das Eis zu gehen. Eingebrochen sei hier aber zum Glück noch niemand.
Am dicksten war das Eis Mitte der 90er-Jahre. „Das waren bis zu 30 Zentimeter“, erinnert er sich. Aber auch in den vergangenen Jahren sei das Eis ausreichend dick gewesen, um laufen zu gehen. Besonders schön sei es, wenn die Leute bei Fluchtlicht auf dem Eis unterwegs sind.
Der vereiste See zog gestern auch einige Spaziergänger an, die dem eisigen Wind trotzten. „Ich halte an dem See ab und zu, wenn ich meine Eltern in Borken besuche“, sagt Edith Harms. Die 62-Jährige aus Bad Wildungen ist auch schon über den See gelaufen. „Aber nur, als er offiziell frei gegeben war“, sagt sie.
Von Max Holscher



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